Kreatives Zoomen in Videos

Dom Salmon Technologie und Know-how18 Apr. 20238 Minuten Lesezeit
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Was auch immer ihr filmt, ein richtig eingesetztes Zoom-Objektiv kann euer Video auf die nächste Stufe heben, sagt Creative Director und Fotograf Dom Salmon.

Herzlichen Glückwunsch, ihr habt mit einer Nikon nun eine „echte“ Kamera in der Hand! Sprechen wir nun über die Objektive. Genau wie als ich mit der Fotografie angefangen habe, ist die Basis ein Zoom-Objektiv – wie das neue NIKKOR Z DX 12-28mm f/3,5-5,6 PZ VR.

Der erste Grund, warum ein Zoom-Objektiv in eure Fototasche gehört, ist ein praktischer. Ein sehr praktischer. Und er ist für Videoaufnahmen noch wichtiger als für Fotos. Sicher, du kannst oft ein Foto an einem schwierigen Ort machen. Aber kann man das bei Videos 30 Mal in der Sekunde machen und dabei eine Geschichte erzählen? (Spoiler: Die Antwort ist natürlich ja.)

Es gibt einen Grund, warum sich das NIKKOR Z 24-70mm f/2,8 S in der Ausrüstung von so vielen Profis findet. Erstaunliche optische Eigenschaften? Zweifelsohne. Das 24-70 mm nimmt den zentralen Platz zwischen „ziemlich Weitwinkel“ und „fast Tele“ ein. Drumherum im typischen Objektiv-Trio: ein 14-24 mm und ein 70-200 mm. Das 24-70 mm ist dabei möglicherweise das wertvollste Objektiv Einfach ausgedrückt, hat es genau den Brennweitenbereich und damit den Spielraum, um euch in neun von zehn Fällen aus der Patsche zu helfen. Wenn ihr gerade anfangt, ist das NIKKOR Z 24-70mm f/4 S eine hervorragende Möglichkeit, diesen Brennweitenbereich zu einem genialen Preis zu bekommen.

Dom Salmon
What's in my kitbag?
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Zoom. Gestaltet den Raum!

Enge oder laute Umgebung? Das untere Ende des 24-mm-Objektivs bedeutet, dass ihr immer noch einen gewissen Abstand zu eurem Motiv einhalten könnt, selbst wenn es eng wird. Wenn euer Mikrofon in die Kamera integriert ist, könnt ihr so näher herankommen. So habt ihr eine bessere Chance, den Sprecher aufzunehmen, und nicht die Umgebungsgeräusche.

Störender oder geschäftiger Hintergrund? Bei 70 mm beginnt man damit, das Motiv näher heranzuholen. Die Szene wird komprimiert und man erhält eine großartige Hintergrundunschärfe, oder Bokeh, das eine echte Trennung zwischen Motiv und Hintergrund ermöglicht. Dies ist sehr praktisch, wenn das Motiv der eigentliche „Held“ des Bildes sein und im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Betrachters stehen soll.

Video bedeutet oft auch Stative. Es ist schwer, ein fünfminütiges Interview nur mit der Hand zu filmen – vor allem, wenn man selbst die Fragen stellt. Mit einem Zoom-Objektiv könnt ihr den Bildausschnitt verändern, ohne das gesamte Setup verändern zu müssen. Bei einem langen Shooting wird euer Rücken es euch danken!

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Seid gesellig

Wie Millionen YouTube-Kanäle zeigen, bedeutet Video oft, dass jemand in die Kamera spricht. Ganz gleich, ob es sich um ein Interview oder um einen Vlogger auf seinem eigenen Kanal handelt: Jeden Tag werden Milliarden von Videos angesehen. Aber auch wenn viele denken, dass sie tolle Präsentatoren sind, nachdem sie auf ihren Telefonen geübt haben: Selbst bei einem kleinen professionellen Set-up werden die Leute plötzlich ein wenig verkrampft, wenn jemand „Klappe!“ ruft. Euer Setup kann wirklich einen Einfluss darauf haben, wie entspannt jemand vor der Kamera ist und wie wirkungsvoll das Video daher sein wird (auch, wenn ihr selbst im Bild seid!).

Ab 50 mm ist der Abstand zwischen Kamera und Person ähnlich groß wie der Abstand, aus dem wir miteinander sprechen. Das gibt unerfahrenen Gesprächspartnern das Gefühl, dass sie sich eher in einem Gespräch befinden als „auf Kamera“. Ihr könnt auch einen schöne Halbtotale aufnehmen, aber immer noch nahe genug dran sein, dass ein gutes Richtrohrmikrofon an der Kamera Sprache gut einfängt. Diese Brennweite ist auch für Porträts geeignet, weil es das Motiv schmeichelhaft einfängt. Diese Art Brennweite hat etwas TV-mäßiges.

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Was Weitwinkel betrifft, möchte niemand eine Kamera direkt vor der Nase oder dass es so aussieht, als würde man durch ein Goldfischglas gefilmt werden. Aber es ist immer noch ein tolles Tool, um das Beste aus den Menschen herauszuholen. Wenn ihr eine Person an einem Ort wirklich „etablieren“ und in Szene setzen wollen, könnt ihr einen breiteren Winkel verwenden. Zeigt sie so in ihrer Umgebung und seid trotzdem nah genug für den Ton.

Wenn ihr selbst der Star der Show seid, heißt Weitwinkel, dass ihr euch darauf verlassen könnt, dass ihr im Bild bleibt. Die größere Tiefenschärfe bei kurzer Brennweite sorgt dafür, dass euer Bild viel eher scharf bleibt, egal wie viel ihr euch bewegt. Auch wenn ihr keinen separaten Monitor habt, könnt ihr bei aktiviertem Autofokus mit dem Augen-Tracking eurer Nikon aus der Hand filmen – so entsteht der Look einer spannenden Reportage. Und mit dem fernsteuerbaren Power-Zoom könnt ihr die Szene verändern, ohne aus dem Bild gehen zu müssen. Perfekt für Vlogger!

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Der Boden des Schneideraums

Für Interviews gibt es einen schnellen Zoom-Trick, der bei der Bearbeitung sehr hilfreich ist, wenn ihr nur mit einer Kamera filmt. Führt das das Interview zweimal. Macht die erste Aufnahme aus einem größeren Winkel, so dass ein Teil der Umgebung zu sehen ist. Dies hilft auch der Person, sich zu entspannen und sich an die Kamera zu gewöhnen. Beim zweiten Durchgang zoomen Sie näher heran. Oft sind Menschen vor der Kamera dann ein wenig selbstbewusster – und das wird durch die nähere Aufnahme eingefangen.

Im Schnitt habt ihr dann die Wahl und könnt so Dynamik in euren Film bringen. Fügt noch ein bisschen B-Roll (Schnittbilder) hinzu, was auch Schnitte im Interview verbergen kann. Und Bingo! Das sieht zehnmal interessanter und professioneller aus als eine einzelne Aufnahme, und ihr musstet nicht einmal die Kamera bewegen.

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Euer flexibler Begleiter

Der große Vorteil von Zooms, den ich letztlich am meisten schätze, ist die Möglichkeit, sehr schnell mit der Bildkomposition zu experimentieren. Ich würde immer dazu ermutigen, sich von der Denkweise „Video ist gleich Stativ“ zu lösen, also bewegt lieber eure Füße! Denn ein bewegtes Bild ist zwar an sich schon toll, aber ein bewegtes Bild mit einer bewegten Kamera packt die Fantasie nochmal anders.

Ihr steht vor einer tollen Aussicht, wollt aber noch ein wenig mehr sehen? Geht näher ran, zoomt etwas heraus und macht einen Schwenk. Habt ihr ein schönes Detail in einer geschäftigen Szene entdeckt? Holt es mit dem Zoom heran, lasst alles weg, was den Betrachter ablenken könnte, und verfolgt euer Detail.

Diese Art von Flexibilität kann für Fotos nützlich sein. Bei Video ist es eine Offenbarung. Und wenn ihr euch auf eine Szene einlasst, wird das auch euer Publikum tun.

Dies alles wird durch die neue spiegellose Technologie unterstützt. Das geringe Gewicht der Kamera, der Tracking-Autofokus und die Bildstabilisierung, die bis vor ein paar Jahren nur mit teuren und sperrigen Gimbal-Ausrüstungen möglich war … Es gibt wirklich keine Ausrede mehr, beim Filmen nicht selbst mitzugehen.

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Mehr Pepp

Als 1931 Zoom-Objektive für das Filmen eingeführt wurden, hatten die Filmemacher ein wichtiges neues Werkzeug zur Verfügung. Als Zoom-Objektive in den späten 1960er Jahren leichter, billiger und schneller wurden, begannen die Filmemacher jedoch, das In-Shot-Zoom überzustrapazieren. So wurde es mehr zu einer Spielerei. Das ist schade, denn in kreativer Hinsicht kann ein In-Shot-Zoom ein sehr leistungsfähiges Werkzeug sein.

Stellt euch eine Nahaufnahme einer Person vor, die ruhig auf einer Wiese sitzt. Beim Zoom heraus zeigt sich eine geschäftige Stadt, die sich um sie herum bewegt. Oder ihr zeigt eine Totale einer jubelnden Menge und zoomt dann auf eine Person, die völlig unbeeindruckt ist von dem Geschehen um sie herum. Beides hat ein sehr starkes Storytelling-Element, das sich in einer einzigen Einstellung entfaltet.

Wenn ihr ein Musikvideo dreht, kann ein In-Shot-Zoom viel Dynamik bringen und gibt euch mehr Spielraum. Synchronisiert man die Zooms mit der Musik kann dies zum Beispiel eine kreative Spannung erzeugen, die mit einer einfachen Weitwinkelaufnahme nicht möglich wäre.

Bei Interviews könnt ihr auch hier den Ausschnitt nutzen, um den Aspekt der Geschichte zu betonen, den ihr eurem Publikum erzählen möchtet. Beginnt mit einer Nahaufnahme des Gesichts einer Person, die über unsere moderne Wegwerfkultur spricht. Zoomt dann heraus, um zu zeigen, dass sie auf einer riesigen Mülldeponie steht. Und schon habt ihr dazu beigetragen, dass das Thema dem Betrachter im Gedächtnis bleibt.

Und natürlich kann das auch einfach toll aussehen. Erinnern Sie sich an Polizeichef Brody am Strand in Der weiße Hai, als sich die Szene plötzlich um ihn zu drehen scheint? Das ist der berühmte „Dolly-Zoom“ oder „Vertigo-Effekt“, bei dem ihr das Objektiv zoomt, aber die Kamera in entgegengesetzte Richtungen bewegt. Filmisches Dynamit.

Es ist also in Ordnung, zu zoomen, während die Aufnahmeleuchte brennt. Es kann euer Video wirklich aufwerten – vor allem, wenn ihr den Touchscreen eurer Kamera verwendet, um den Zoom mit einer Änderung des Fokusschwerpunkts zu kombinieren.

Aber seid vorsichtig. Betrachtet den In-Shot-Zoom als ein sehr starkes Gewürz. Eine Prise kann einem Gericht wirklich Pepp verleihen. Zu viel davon kann einem die Tränen in die Augen treiben.

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Rauszoomen

Für Videoanfänger sind Zoom-Objektive ein tolles praktisches und kreatives Hilfsmittel. Zum freien Experimentieren und um so einen persönlichen Stil für Videoaufnahmen zu entwickeln. Aber auch für erfahrene Videofilmer sind sie ein hervorragendes Universalwerkzeug. Es hat schon seinen Grund, dass in fast jeder Kameratasche mindestens ein Zoom-Objektiv steckt. Und ihr könnt darauf wetten, dass es das Objektiv ist, das am stärksten benutzt aussieht.

Ich persönlich bin der Meinung, dass ein richtig gutes Zoom-Objektiv eine wunderbare Hilfe ist, um Vertrauen in die eigenen kreativen Ideen zu gewinnen. Besonders wenn man mit Video anfängt. Den eigenen Stil zu finden braucht Zeit. Ein Zoom-Objektiv ist ein superflexibles Werkzeug, das euch nicht von vornherein in eine bestimmte oder eine einzige kreative Ecke stellt.

Dom Salmon ist ein englischer Creative Director, Fotograf und Videofilmer, der in Italien lebt.

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