Acht kreative Bildausschnitte für Porträts

Die Hochzeitsfotografin Minna Kaitajärvi zeigt, wie man Porträts perfektioniert – und verrät ihre acht bevorzugten Bildkompositionen
Worauf achte ich, wenn ich ein Porträt aufnehme? Ich möchte ein Gefühl, eine Emotion einfangen – daher ist es entscheidend, dass der Bildausschnitt das unterstützt. Komposition kann den Blick gezielt lenken – und so genau dieses Gefühl verstärken.
Meine drei wichtigsten Tipps für die Bildgestaltung von Porträts:
- Bewegt euch! Kniet euch hin, legt euch hin, entdeckt neue Perspektiven, geht näher heran, geht weiter weg. Bleibt niemals auf derselben Höhe an derselben Stelle.
- In der Regel sollte der Bildausschnitt bereits bei der Aufnahme stimmen. Allerdings kann es für die Kreativität manchmal von Vorteil sein, die Bilder in der Bearbeitungsphase etwas zu beschneiden. Dazu schneide ich die Bilder gerne sehr eng zu, um ein ganz neues Foto zu erschaffen.
- Geht nah heran, um Emotionen einzufangen! Oft denke ich: „Ich hätte noch näher herangehen können.“ Geht also nah heran, und dann noch ein wenig näher.
Das steckt in der Kameratasche


1. Gegensätzliche Charaktere
Dieses Foto vom ersten Tanz des Paares ist ein hervorragendes Beispiel für eine Aufnahme im dokumentarischen Stil. Ich wollte einem der wichtigsten Momente des Hochzeitstags eine künstlerische Note und eine fast grafische Tiefe verleihen.
Wie geht das? Mir gefiel der Kontrast, der entstand, als das Scheinwerferlicht auf das Paar fiel und seinen schwarzen Anzug und ihr weißes Hochzeitskleid hervorhob. Helles Licht und starke Schatten sind eine faszinierende Kombination, und bei der Bearbeitung wollte ich diesen Kontrast hervorheben und als gestalterisches Mittel einsetzen. Daher habe ich ihn deutlich verstärkt. Bei einem Bild wie diesem, bei dem wir den Kontrast in den Vordergrund stellen wollen, liegt es auf der Hand, dass es Schwarz-Weiß sein muss.
2. Füllt den Bildausschnitt
Ich liebe dieses Bild des frisch vermählten Paares, das seine Trauung verlässt. Das ist ein so wichtiger Moment, den man auf keinen Fall verpassen darf. Deshalb wollte ich alles festhalten: das glückliche, jubelnde Paar, den wunderschönen Raum, das Licht rund um das Paar und die Gäste.
Wie geht das? Ich persönlich verwende für dramatische Porträts sehr gerne größere Brennweiten. In Situationen wie dieser sind sie unverzichtbar, um alles aufs Bild zu bekommen. Außerdem habe ich die Kamera ein wenig geneigt, um noch mehr Platz um das Paar herum zu schaffen. Das Neigen einer Kamera muss bewusst erfolgen. Nicht alle Fotos mit einer Neigung sehen gut aus, aber bei handlungsreichen Aufnahmen wie dieser sorgt sie für zusätzliche Spannung.


3. Redaktionelle Nahaufnahmen
Hier wollte ich ein klassisches Porträt der Braut im redaktionellen Stil: etwas, das in einer Zeitschrift abgebildet sein könnte. Dieses Porträt einer Braut habe ich am Comer See während der goldenen Stunde aufgenommen, die so ein wunderschönes, sanftes Licht zaubert. Ich fand den Schleier, den sie trug, einfach toll.
Wie geht das? Um modische Porträts mit Magazin-Charakter zu erstellen, wählt eine geschlossene Blende und verwendet ein Weitwinkelobjektiv statt eines typischen Porträtobjektivs wie beispielsweise 85 mm. Oft wird uns geraten, mit der größtmöglichen Blendenöffnung zu fotografieren, doch eine kleinere Blendenöffnung kann, wenn sie geschickt eingesetzt wird, einen edlen Look erzeugen. Denkt also daran: Nicht alle Porträts müssen mit einem „typischen“ Porträtobjektiv aufgenommen werden.
4. Das dynamische Duo
Die beiden waren ein so lebhaftes Paar! Ich wollte ihre unverfälschte Energie als frisch vermähltes Paar einfangen und ihre Freude in den Mittelpunkt dieses Bildes rücken. Wir schlichen uns hinaus, um ein paar Fotos zur goldenen Stunde zu machen, und ich bat sie, zu rennen, um diese wunderschöne, natürliche Freude einzufangen. Ich wollte eine längere Belichtungszeit verwenden, aber nicht zu lang, denn es war weiterhin wichtig, ihre Gesichtsausdrücke einzufangen.
Wie geht das? Verwendet die längere Belichtungszeit mit Bedacht! Wir sehen oft lange Belichtungszeiten, hinter denen sich keine wirkliche Bedeutung verbirgt. Sie müssen eine bewusste Entscheidung sein, um etwas auf dem Foto hervorzuheben. Hier macht die lange Belichtungszeit Sinn: Das Paar rennt, und die längere Belichtungszeit vermittelt das Gefühl von Bewegung.


5. Porträts in einem Raum
Dieses Porträt erzählt die Geschichte eines ganz besonderen, fast geheimen Moments. Es zeigt das Brautpaar, wie es sich hinter dem Blumenstrauß im Flur des Hotels küsst. Dieser Moment fühlte sich in dieser Umgebung einfach perfekt an.
Wie geht das? Hier habe ich mich für einen eher klassischen Bildausschnitt entschieden. Ich habe das Paar in der Bildmitte fotografiert. Dabei sorgen die Bögen des Flurs für Symmetrie, was dem Bild eine zusätzliche Ebene der Spannung verleiht. Ich habe eine größere Brennweite verwendet, um die Architektur zur Geltung zu bringen.
6. Spielt mit der Tiefenschärfe
Ich liebe es, kreativ zu arbeiten, und bei diesem Porträt wollte ich die Braut und ihren wunderschönen Schleier gezielt in Szene setzen. Deshalb habe ich einen Teil davon vor das Objektiv gehalten, um dem Bildausschnitt mehr Tiefe zu verleihen.
Wie geht das? Wenn man etwas vor das Objektiv hält, bekommt das Bild mehr Tiefe. Am besten ist es, wenn man ein für die Szene charakteristisches Element einbezieht, wie ich es hier mit den Blumenverzierungen am Schleier getan habe. Dadurch wirkt das Foto viel persönlicher und fügt der Geschichte zusätzliche Erzählebenen hinzu. Um das visuelle Interesse zu steigern, habe ich die Kamera leicht geneigt. Ich verleihe dem Bild mit dem festgehaltenen Schleier eine modische Note. Es hat eine Weile gedauert, bis der Bildausschnitt genau richtig war, weil ich die Blumen genau an der richtigen Stelle haben wollte. Aber ich finde, das hat sich gelohnt.


7. Porträts im Querformat
Emotionale Momente sind es immer wert, festgehalten zu werden. Dieses Foto im Dokumentarstil, auf dem der Vater der Braut seine Tochter am Altar umarmt, ist genau so ein Moment.
Wie geht das? Regeln sind dazu da, gebrochen zu werden! In der Hochzeitsfotografie muss man ständig Entscheidungen treffen. Man darf die wichtigsten Momente nicht verpassen. Ich stellte mich direkt hinter das Paar und beschloss, so viele Details wie möglich miteinzubeziehen. Ich komponierte dafür das Bild im Querformat und wählte eine kurze Brennweite, um auch die Umgebung mit einzufangen. Bei der Porträtfotografie sollte man bedenken, dass nicht alle Bilder im Hochformat aufgenommen werden müssen – im Gegenteil: Porträts im Querformat eignen sich hervorragend für Fotos im dokumentarischen Stil.
8. Lasst die Situation für sich sprechen
Die Gesichter des frisch vermählten Paares sprechen Bände. Doch genauso wichtig wie die Aufnahme des überglücklichen Paares, das sich nach dem ersten Tanz umarmt, war es mir, genügend Details im Hintergrund einzufangen, um die ganze Geschichte zu erzählen – zum Beispiel die jubelnden Gäst:innen.
Wie geht das? Für diese Aufnahme musste ich mich auf den Boden knien, um alles festzuhalten, was ich wollte. Ich lege immer großen Wert darauf, Gefühle zu vermitteln. Deshalb habe ich mich hier für eine lange Belichtungszeit entschieden, um diese Lebendigkeit einzufangen. Seid ganz bei der Sache und fühlt den Moment mit eurer Kamera. Liebe einzufangen ist eine zärtliche Angelegenheit! Iich ermutige Porträtfotograf:innen stets, nicht nur zu dokumentieren, sondern auch zu interpretieren.
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