Landschaften mit Teleobjektiven fotografieren

Nicolas JægergaardReisen und Landschaften05 Jän. 20264 Minuten Lesezeit
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Ihr denkt, Landschaften lassen sich nur mit Weitwinkel einfangen? Mitnichten! Nikon-Creator Nicolas Jægergård erforscht, warum ein Tele genauso gut sein kann …

Bei weitläufigen Landschaften greifen die meisten instinktiv zu einem Weitwinkelobjektiv. Aber was passiert, wenn ihr das nicht tut? Für dieses Projekt haben wir den dänischen Landschafts- und Luftbildfotografen und Filmemacher Nicolas Jægergård vor die Herausforderung gestellt, dramatische Landschaften ausschließlich mit Teleobjektiven einzufangen: NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR und NIKKOR Z 600mm f/6.3 VR S. Erfahrt, wie er es geschafft hat und welche Tipps er für euch hat.

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„Die Verwendung eines Teleobjektivs zwingt mich, mehr Zeit mit dem Einstellen und Verfeinern zu verbringen.“ ©Cecilia Erikdsdóttir Pedersen

Vorbereitung

Ein Tele für Landschaftsaufnahmen ist nicht immer einfach, aber die Ergebnisse können klasse sein, wenn ihr für euer Bild den richtigen Bildausschnitt wählt. Es geht darum, von der Weitwinkelperspektive wegzukommen und kreative Blickwinkel zu finden, näher heranzugehen, Details zu isolieren und eine andere Erzählung zu schaffen. So kann man etwas Einzigartiges einfangen im Vergleich zu einer herkömmlichen Weitwinkel-Landschaft, wo so viel auf einmal im Bild passiert.

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Z9 + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 180 mm, f/6.3, 1/500 s, ISO 800, ©Nicolas Jægergård.

Mit einem klassischen Landschaftsobjektiv wie dem NIKKOR Z 14-24mm f/2.8 S, könnt ihr mehr von der Szene in einem einzigen Bild einfangen. Es ist eines meiner Lieblingsobjektive, wenn ich einen weiten Blickwinkel fotografieren muss. Aber auch ein 24–70 mm, wie das neue NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S II, ist eine gute Wahl. Ein Tele hingegen ist ein Objektiv mit einer längeren Brennweite als dem Standard, in der Regel 85 mm und mehr. Es bringt euch viel näher an euer Motiv heran, näher als unsere Augen sehen können. Mit einem engen Sichtfeld, das entfernte Details vergrößert. Im Gegensatz zum Weitwinkel, das den Raum überzeichnet, komprimiert das Tele die Perspektive, indem es Vorder- und Hintergrund näher zusammenbringt. Diese Kompression und die zusätzliche Reichweite sind der Grund, warum Teleobjektive für Sport, Wildtiere und Porträts so beliebt sind, und warum ich glaube, dass sie auch für Landschaften so viel Potenzial haben.

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Z9 + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 180 mm, f/5.6, 1/320 s, ISO 400, ©Nicolas Jægergård. „Das richtige Licht kann ein großartiges Bild ausmachen.“

Die Suche nach dem richtigen Standort

Mit einem Teleobjektiv lässt sich immer ein gutes Bild finden, selbst an einem klassischen Weitwinkelstandort. Das könnte das Motiv ändern, nach dem ich suche, aber nicht den Ort. Überlegt euch eure Bildausschnitte im Voraus, denn ein Tele zeigt nicht die ganze Szene. Sucht mit den Augen nach Motiven, die es wert sind, isoliert zu werden. Versucht nach oben zu kommen, da sich Hügel, Berge oder Bäume leichter auf gleicher Höhe aneinanderreihen. Und denkt an den Freiraum. Mit einem Teleobjektiv kann man ganz nah heran zoomen, so dass man in einer weiten Landschaft viele Möglichkeiten hat, Details und Ebenen zu finden.

Den Bildausschnitt wählen

Bei einem Weitwinkel überlege ich in der Regel, was ich einbeziehen kann: einen starken Vordergrund, führende Linien, etwas, das anziehend wirkt. Mit einem Teleobjektiv ist es das Gegenteil – ich konzentriere mich darauf, was ich ausschließen kann. Ich suche nach Formen, Licht oder Schichten, die für sich allein stehen, isoliere und vereinfache, anstatt zu versuchen, alles zu zeigen. Das macht mich auch langsamer, denn schon die kleinste Positionsverschiebung kann die Anordnung des Hintergrunds völlig verändern.

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„Ich fotografiere gern Motive mit verschiedenen Ebenen. Hügel, Berge oder Ähnliches. Das ist normalerweise viel einfacher, wenn man hoch oben oder auf gleicher Höhe mit dem Motiv ist.“ ©Cecilia Erikdsdóttir Pedersen

Arbeiten am Bereich

Bei Landschaftsaufnahmen halte ich die Blende in der Regel zwischen f/6.3 und f/11 und passe sie je nach Bedarf an. Die kamerainterne Stabilisierung der Z9 ist ausgezeichnet, und ich stelle sie oft auf den Sportmodus ein, um zusätzliche Stabilität zu erhalten. Die Verschlusszeit entspricht mindestens der Brennweite, und ich mag ein großes Messfeld (S) für eine präzise Schärfekontrolle. Sobald ich diese Grundlagen beherrsche, geht es nur noch darum, wie sich die einzelnen Brennweiten verhalten und wie ich meinen Ansatz anpassen kann, um das Beste aus ihnen herauszuholen.

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„180 bis 300 mm eignen sich hervorragend, um sowohl den Vordergrund als auch den Hintergrund darzustellen.“ ©Cecilia Erikdsdóttir Pedersen

180 mm

180 mm ist eine flexible Brennweite für Landschaften. Normalerweise kann ich die Kamera in der Hand halten, und es ist noch einfach, bewegte Motive zu verfolgen. Ich halte die Verschlusszeit bei mindestens 1/200 s und die Blende bei f/6.3 bis f/8. Mir gefällt, dass das Motiv isoliert wird und dennoch ein gewisser Kontext erhalten bleibt. Und da der Hintergrund nicht zu stark komprimiert ist, wirkt das Ergebnis natürlich.

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Z9 + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 180 mm, f/6.3, 1/160 s, ISO 400, ©Nicolas Jægergård. „Die Aufnahme von Landschaften mit 180 mm isoliert das Motiv, während immer noch Kontext im Bildausschnitt erhalten bleibt.“

200 mm

200 mm sorgen für ein wenig mehr Komprimierung, was bei Nebel oder Licht über Hügeln sehr gut funktioniert. Das engere Sichtfeld bedeutet, dass ihr beim Bildausschnitt mehr Sorgfalt walten lassen müsst. Ich verwende es gerne, um mit der Schärfentiefe zu spielen und entweder den Vordergrund oder den Hintergrund scharf zu stellen. Mein bevorzugter Bereich ist 200 bis 300 mm, da er eine starke Trennung zwischen Motiv und Hintergrund ermöglicht und gleichzeitig mehr von der Szene im Bildausschnitt hält als z. B. bei 600 mm.

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Z9 + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 200 mm, f/5.6, 1/640 s, ISO 320, ©Nicolas Jægergård.

300 mm

Bei 300 mm werden die Dinge etwas abstrakter, und hier ist ein Stativ oft sehr nützlich. Ich halte die Verschlusszeit bei 1/300 Sekunde oder kürzer, und wenn es in der Ferne Dunst oder Nebel gibt, reduziere ich den in der Regel in der Nachbearbeitung. Bei dieser Brennweite beginnt die Kompression des Bildes einen Unterschied zu machen, alles scheint näher zusammenzurücken. Die Szene erhält eine grafischere Qualität. Die Einbeziehung des Vordergrunds kann schwierig sein – daher suche ich nach sich überschneidenden Elementen, um dem Bild Tiefe zu verleihen.

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Z9 + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 300 mm, f/6, 1/400 s, ISO 220, ©Nicolas Jægergård. „Das Tele zwingt mich, mehr Zeit mit dem Einstellen und Verfeinern zu verbringen.“

400 mm

Bei 400 mm ist die Komprimierung dramatisch, so dass entfernte Gipfel oder Details hervorstechen. Die Herausforderung dabei ist, dass selbst kleine Bewegungen den Bildausschnitt stark verändern, so dass ich mehr Zeit damit verbringe, meine Position zu verfeinern. Um diese Brennweite optimal nutzen zu können, ist es sehr hilfreich, wenn man hoch oben oder auf gleicher Höhe mit dem Motiv steht.

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Z9 + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 440 mm, f/8, 1/20000 s, ISO 640, ©Nicolas Jægergård. „Längere Brennweiten eignen sich perfekt für abstrakte Szenen, und selbst der kleinste Schritt zur Seite kann das Bild völlig verändern. Versucht also, euer Setup zu verschieben, denn es könnte sich eine bessere Komposition zeigen.“

500 mm

Bei 500 mm erreicht ihr den extremen Telebereich, und hier ist ein Stativ unerlässlich. Ich passe den ISO-Wert oder die Blende an, um die Verschlusszeit kurz genug zu halten, hier also 1/500 s oder kürzer. Manche machen sich Sorgen über eine höhere ISO-Zahl, wenn sie kurze Belichtungszeiten und große Blenden verwenden. Aber Nikon-Kameras kommen sehr gut mit Rauschen zurecht, und es gibt hervorragende Rauschunterdrückungswerkzeuge in der Bearbeitungssoftware, falls nötig.

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Z9 + NIKKOR Z 600mm f/6.3 VR S, 600 mm, f/9, 1/1600 s, ISO 400, ©Nicolas Jægergård. „Die Verwendung eines 600 mm für Landschaftsaufnahmen war neu für mich und eine ziemliche Herausforderung. Bei einer Brennweite von 400 mm musste ich einen gewissen Abstand zu meinem Motiv einhalten!“

600 mm

600 mm geht noch weiter. Die Verschlusszeit sollte mindestens 1/600 s betragen, damit das Bild auch bei einer so großen Reichweite scharf bleibt. Diese Brennweite eignet sich hervorragend für abstrakte Szenen, bei denen ihr winzige Details aus einer riesigen Landschaft herausholt. Es erfordert noch mehr Aufmerksamkeit beim Bildausschnitt. Selbst der kleinste Schritt zur Seite kann die Anordnung des Hintergrunds völlig verändern, daher bewege ich meine Aufstellung ständig, um einen stärkeren Bildausschnitt zu finden.

Z9 + NIKKOR Z 600mm f/6.3 VR S, 600 mm, f/6.3, 1/640 s, ISO 360. Mitte: 600 mm, f/6.3, 1/800 s, ISO 900. Rechts: 600 mm, f/6.3, 1/640 s, ISO 450. ©Nicolas Jægergård

Tipps vom Profi
  1. Fragt euch: „Was ist die Geschichte?“

Ich frage mich immer zuerst, was ich sagen will. Beim Weitwinkel geht es darum, die ganze Szene zu zeigen, aber mit dem Teleobjektiv kann ich näher herangehen und Formen oder kleine Details hervorheben. Für Motive mit Formen, die sich wiederholen, Gebirgsschichten oder einem einzelnen, im Licht leuchtenden Gipfel ist ein Teleobjektiv sinnvoll.

  1. Wetter eindrucksvoll nutzen

Nebel, Dunst oder das Licht der goldenen Stunde verbessern die Trennung und verleihen komprimierten Szenen eine besondere Stimmung. Für Nebel, der zwischen den Bäumen wabert, oder für Sonnenlicht, das sich in den Wipfeln der Bäume verfängt, greife ich zum 600-mm-Objektiv, um nah heranzukommen.

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Z9 + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 350 mm, f/6.3, 1/250 s, ISO 110, ©Nicolas Jægergård. „Sobald ich weiß, welche Geschichte ich erzählen möchte, wähle ich die passende Brennweite.“

3. Für Stabilität sorgen

Bei 200 mm können selbst geringfügige Verwacklungen die Schärfe beeinträchtigen, sodass ein Stativ bei der Arbeit mit Teleobjektiven definitiv hilfreich ist. Außerdem habt ihr so die Möglichkeit, den Kamerawinkel fein abzustimmen und die Komposition festzulegen.

4. Füllt den Bildausschnitt
Eine der größten Frustrationen bei der Arbeit mit Teleobjektiven besteht darin, dass man nicht in der Lage ist, das gesamte Motiv zu erfassen, z. B. einen Regenbogen. Dafür wäre ein Weitwinkel erforderlich. Aber es ist auch interessant, einen Regenbogen zu sehen, der mit einem Tele das Bild ausfüllt, denn er wirkt ganz anders.

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Z9 + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR, 180 mm, f/5.6, 1/500 s, ISO 64, ©Nicolas Jægergård. „Ich brauche nicht immer einen Vordergrund für ein gutes Bild, wenn ich ein Tele verwende.“

5. Akzeptiert die Einschränkung

Ich mag die Herausforderung, nur eine Brennweite zu verwenden. Es bringt mich dazu, anders zu denken und nach Bildausschnitten zu suchen, die ich sonst vielleicht übersehen würde. Ich beginne, auf kleine Positionsverschiebungen, Lichtveränderungen oder die Überschneidung von Elementen zu achten, was meine Fähigkeiten, Bilder zu komponieren, wirklich schärft.

6. Geduld ist der Schlüssel

Das Warten auf das richtige Licht kann den Ausschlag für ein großartiges Bild geben. Wenn möglich, ist es also eine gute Idee, früh anzureisen. Vor allem, wenn ihr zum Beispiel einen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang erleben möchtet.

Z9 + NIKKOR Z 180-600mm f/5.6-6.3 VR. Links: 280 mm, f/13, 1/250 s, ISO 2000. Mitte: 230 mm, f/32, 1/160 s, ISO 4000. Rechts: 180 mm, f/13, 1/320 s, ISO 1600. ©Nicolas Jægergård.

7. Dunst in der Nachbearbeitung entfernen

Manchmal können eure Fotos und Videos ein wenig „verschwommen“ aussehen. Das liegt am atmosphärischen Dunst. Um dies zu beheben, könnt ihr die Dehaze-Funktion in eurer Bearbeitungssoftware verwenden und/oder den Kontrast etwas erhöhen. Daran denkt man normalerweise nicht, wenn man Weitwinkelfotos bearbeitet, aber hier, bei diesen langen Brennweiten, funktioniert es gut.

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