Fotografieren in direktem Sonnenlicht

Videos und Fotos bei unbarmherzigem Sonnenlicht kann ein Albtraum sein – doch für Nikon-Creator Nicolas Jægergaard ist es eine Herausforderung, die es sich anzunehmen lohnt. In diesem Guide zeigt er seine Profi-Techniken mit direktem Licht für stimmungsvolle Fotos und kinoreife Videos
Das Wetter oder die Tageszeit, zu der ihr fotografiert, könnt ihr nicht beeinflussen. Vor allem nicht, wenn ihr unterwegs seid oder einen engen Zeitplan habt. Ihr müsst also aufhören, das Licht zu bekämpfen, und stattdessen mit ihm arbeiten. Ich habe gelernt, die grelle Mittagssonne zu akzeptieren, auch wenn sie zu den schwierigsten Lichtverhältnissen für Aufnahmen gehört. Die tiefen Schatten und intensiven Lichter können schwer auszubalancieren sein – aber genau diese Herausforderung macht es interessant! Findet Wege, sie in die Geschichte einzubinden. Ich spiele mit Schatten, Gegenlicht, Silhouetten, Streulicht und all den Dingen, die bei starkem Sonnenlicht lebendig werden. Diese Bedingungen zwingen mich dazu, kreativer zu denken, und dann entstehen interessante Dinge.

Ich musste drei Ausflüge zum Mount Taranaki in Neuseeland (also jeweils 12 km wandern!) unternehmen, bis mir ein Foto gelang, mit dem ich zufrieden war. Z9 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 30 mm, f/5, 5 s, ISO 500, © Nicolas Jægergaard
Einen Ort erkunden
Ich fange damit an, viel auszukundschaften. Die Planung des Lichts ist ein wichtiger Teil davon. Ich verwende Google Maps in der Geländeansicht, um ein Gefühl für die Landschaft zu bekommen. Mit der App PhotoPills prüfe ich dann, wo die Sonne zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort stehen wird. Wenn ihr genau wisst, wann und wo das Licht auf die Landschaft trifft, könnt ihr eure Kompositionen viel besser planen.
Die richtigen Tools verwenden
Wenn ihr die richtigen Tools verwendet, habt ihr bei direktem Licht sehr viel Raum für Kreativität. Ich besitze einiges an Nikon-Equipment. Meine erste Wahl bei hartem Licht jedoch ist die Nikon Z9, ein solider Allrounder für Fotos und Videos. Meist kombiniere ich sie mit dem NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S. Nikon-Objektive sind bei hellem Licht wirklich gut, aber manche können definitiv mehr als andere. Wenn ich einen klassischen Stern- oder Streulichteffekt erzielen möchte, sind das NIKKOR Z 14-24mm f/2.8 S und das NIKKOR Z 20mm f/1.8 S absolut fantastisch. Schließt die Blende auf f/16 oder f/22, wenn die Sonne gerade eben durch Bäume oder ein Gebäude hindurchscheint. Die Ergebnisse können ziemlich beeindruckend werden. Um flexibel zu bleiben, greife ich oft zum NIKKOR Z 28-75mm f/2.8. Es ist leicht, scharf und einfach zu handhaben. Aber wenn ich besonders viel Schärfe und Kontrast brauche, vor allem bei hellen Lichtverhältnissen, ist das NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S das Richtige. Es lässt mich nie im Stich.

Langzeitbelichtung mitten am Tag – das verschwommene Wasser und die verschwommenen Wolken geben dem Bild eine weiche, verträumte Qualität. Aufgenommen mit den NiSi-ND-Filtern mit den Blendenstufen 1-5 und 5-9 sowie der Z9 mit dem NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S bei 60 mm, f/7.1, 90 Sekunden, ISO 100, © Nicolas Jægergaard
Um eine Überbelichtung des Bildes zu vermeiden, verwende ich den NiSi True Color ND-VARIO Filter mit 1 bis 5 Blendenstufen. Er macht das Einstellen der Belichtung total einfach, ohne dass die Qualität darunter leidet. Ihr braucht nicht unbedingt einen Filter mit fünf Blendenstufen Spielraum – praktisch ist es aber schon, wenn sich das Licht schnell ändert. Er ist besonders nützlich, wenn ihr mit längeren Belichtungszeiten Bewegungsunschärfe erzeugen wollt, z. B. bei Bildern von Wasser oder Wolken. Nehmen wir mal an, ich fotografiere einen Wasserfall und möchte diesen seidig-glatten Effekt erreichen: Ich stelle den ND-Filter auf etwa 3 bis 5 Blendenstufen ein und verlangsame die Verschlusszeit auf etwa eine Sekunde. Damit könnt ihr wirklich wunderschöne, verträumte Ergebnisse erzielen. Da ihr mit längeren Verschlusszeiten arbeiten werdet, ist dafür auch ein stabiles Stativ unerlässlich. Das macht alles viel einfacher.


Die wichtigsten Einstellungen für Fotos
Das Beherrschen des Histogramms ist entscheidend, ich verlasse mich mehr darauf als auf jedes andere Tool. So kann ich schnell erkennen, ob ich kurz davor bin, überzubelichten. Das ist wichtig, um die Belichtung im Griff zu behalten. Für Fotos öffne ich die Blende normalerweise so weit wie möglich und senke den ISO-Wert ganz ab. Anschließend belichte ich mithilfe des Histogramms nach rechts, gerade bis kurz vor dem Clipping, um so viele Daten wie möglich zu erhalten.


Den Himmel komplett überzubelichten, ist einer der häufigsten Fehler, der mir immer noch passiert. Vor allem bei hellem und direktem Licht. Wenn die hellen Bildbereiche ausgefressen sind, kann man sie nicht wiederherstellen. Deshalb verwende ich bei Fotos oft Belichtungsreihen. Bei Video kann ich natürlich keine Belichtungsreihen machen, das Prinzip ist aber das gleiche. Wenn die Lichter weg sind, sind sie weg. Das ist frustrierend, aber Teil des Prozesses. Ich wünschte, ich hätte früher gelernt, wie leistungsfähig Belichtungsreihen sein können. Ich mache drei Belichtungen im Abstand von etwa 1 bis 2 Blendenstufen (unterbelichtet, normal und überbelichtet), um sie dann später in der Nachbearbeitung zu überblenden. So stelle ich Details über den gesamten Dynamikbereich wieder her. Es mag technisch klingen, aber wenn man es einmal ausprobiert hat, ist es überraschend einfach und unglaublich nützlich. Selbst wenn ihre keine vollständige HDR-Bearbeitung plant, bieten euch diese zusätzlichen Belichtungen später viel mehr Flexibilität. Ich kombiniere Belichtungsreihen oft mit der höchsten Serienbildeinstellung meiner Kamera, um Bewegungen zwischen den Bildern zu minimieren. Das ist bei windigen Bedingungen sehr hilfreich. Ich verwende sie jetzt ständig für Landschaften und statische Szenen – in jeder Situation, in der ich weiß, dass ein einziges Bild nicht alles einfangen kann.


Einrichten für Video
Filmen ist eine überaus komplexe Angelegenheit. Es reicht nicht immer aus, den ISO-Wert zu senken und die Blende zu öffnen. Bei Videos sollte die Verschlusszeit in der Regel die doppelte Bildrate betragen. Wenn ich also mit 60 Bildern pro Sekunde filme, stelle ich die Verschlusszeit auf 1/125 Sekunde ein. Das ist bei hellen Lichtverhältnissen ziemlich langsam, selbst bei angepasster ISO und Blende. Hier kommt der ND-Filter ins Spiel, der dafür unerlässlich ist. Mit dem NiSi True Color ND-VARIO Filter mit 1 bis 5 Blendenstufen kann ich die Lichtmenge präzise steuern, die ich reduzieren möchte – und das ganz ohne Einbußen bei der Bildqualität.
Ich verwende auch Zebramuster – gestreifte Überlagerungen, die auf überbelichteten Bereichen im Bild erscheinen. Ich stelle sie normalerweise auf 245 bis 250, um zu helle Bereiche schnell zu erkennen und zu kontrollieren. In Kombination mit N-Log erhaltet ihr so einen größeren Dynamikbereich und mehr Flexibilität in der Nachbearbeitung, sodass auch in kontrastreichen Szenen Details erhalten bleiben. Ich filme in 4K mit 60 Bildern pro Sekunde, damit ich das Video später für Instagram-Reels oder YouTube-Shorts ohne Qualitätsverlust verlangsamen kann.


Kreative Kompositionen
Helles und direktes Licht zwingt euch dazu, anders über Komposition, Belichtung und Motivplatzierung nachzudenken. Egal, ob ich Fotos oder Videos aufnehme: Ich versuche, die Welt so zu zeigen, wie sie ist – hell, strahlend und voller Leben. Ich liebe diesen natürlichen Look mit ein wenig Pop. Natürlich ist die Mittagssonne, vor allem im Sommer, nicht annähernd so schmeichelhaft wie die Goldene Stunde. Aber ich genieße die kreative Herausforderung. Sie zwingt mich dazu, meine Bildkompositionen bewusster zu gestalten. Auf lange Sicht hat mich das zu einem besseren Fotografen gemacht.
Es mag die Leute überraschen, aber ich richte meine Kamera gerne gegen die Sonne, wenn ich Menschen oder Tiere fotografiere. Bei Porträts hilft es, harte Schatten im Gesicht und Augenkneifen zu vermeiden. Auch erzeugt es ein schönes Streiflicht, das das Motiv hervorhebt. Gerade in der Tierfotografie verleiht dieser Glow-Effekt den Aufnahmen einen filmischen Look und hebt das Bild auf ein neues Niveau.
Wenn das Licht besonders stark ist, nutzte ich das für mich und versuche, eine Silhouette aufzunehmen. Blendet auf f/11 oder kleiner ab, um den typischen Sunburst-Effekt zu erzielen – diese klaren, spitzen Sonnenstrahlen. Platziert die Sonne am besten hinter einem Objekt wie einem Berg, Baum oder Gebäude, um Flares zu kontrollieren und der Komposition mehr Struktur zu geben.

Mit dem Ausklingen der Goldenen Stunde schlichen sich die härteren Töne des Abends ein. Hier habe ich Belichtungsreihen verwendet, um den maximalen Dynamikumfang in dieser wunderschönen Umgebung am Lake Tekapo in Neuseeland einzufangen. Z9 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 36 mm, f/4.5, 1/1600 s, ISO 200, © Nicolas Jægergaard (auch das Eröffnungsbild)
Um ehrlich zu sein, gehe ich nur selten mit der Absicht hinaus, bei direkter Sonneneinstrahlung aufzunehmen. Es gibt jedoch Zeiten, in denen diese Art von Licht tatsächlich zu euren Gunsten wirkt. In dichten Wäldern beispielsweise richte ich ein Weitwinkelobjektiv, wie das NIKKOR Z 14-24mm f/2.8 S, direkt auf die Baumwipfel. Das grelle Sonnenlicht, das durch das Blätterdach fällt, kann wirklich dramatisch aussehen. Das Gleiche gilt für enge Räume wie Schluchten, wo das Licht von oben Stellen erreichen kann, die sonst im tiefen Schatten liegen. Eines meiner Lieblingsbilder ist tatsächlich ein Porträt von mir selbst, das mitten am Tag in einer Schlucht aufgenommen wurde. Ein schmaler Lichtstrahl brach von oben durch die Schatten – und ich wusste sofort, wie ich das Bild haben wollte. Ich wählte schnell die Einstellungen, übergab die Kamera an ein Familienmitglied und sagte ihm, wo es stehen und wann es den Auslöser drücken soll. Am Ende sah es richtig surreal aus: helles Licht, das die Dunkelheit zerschnitt und wie ein natürlicher Scheinwerfer wirkte. Dieses Bild wäre bei weichem Abendlicht nicht gelungen. Es war das grelle Licht, das diesen Effekt möglich gemacht hat. Ein schöner Beweis dafür, dass gerade widrige Bedingungen oft das gewisse Etwas ausmachen.


Ein praktischer Hack
Hier ist eine einfache und praktische Technik, die ich anwende, wenn die Sonne im Bild ist und zu viel wird. Zuerst mache ich ein normales Foto, auf dem die Sonne zu sehen ist. Dann mache ich eine zweite Aufnahme der gleichen Komposition, aber dieses Mal halte ich meinen Finger vor das Objektiv, um die Sonne zu verdecken. So bleiben Details erhalten, die sonst durch Streulicht oder extreme Lichter verloren gehen würden. Später bei der Bearbeitung füge ich die beiden Bilder in Photoshop zusammen. Oder, wenn ich sie nicht zusammenfügen möchte, verwende ich ein KI-Tool, um den Finger wegzuretuschieren. Das ist einfacher, als die meisten Leute denken, da er nur einen kleinen Teil des Bildes bedeckt. Es ist ein simpler Trick, aber für mich hat er mehr als nur ein paar Motive gerettet.
Das letzte Bild ganz rechts. Z9 + NIKKOR Z 14-24mm f/2.8 S, 24 mm, f/9, 1/4 s, ISO 32, © Nicolas Jægergaard
In der Nachbearbeitung
Bei Fotos beginne ich in der Regel damit, die Lichter herunterzuregeln und den Kontrast zu verringern, um eine flachere Basis zu schaffen. Anschließend baue ich die Farben und Töne langsam wieder auf. So habe ich mehr Kontrolle über das Endergebnis und kann das Aussehen natürlich halten. Mein Ziel ist immer, wiederzugeben, wie sich die Szene in dem Moment angefühlt hat. Manchmal füge ich noch etwas mehr Pep hinzu, damit es auffällt – aber es muss sich trotzdem echt anfühlen.
Bei kontrastreichen Mittagsaufnahmen prüfe ich zunächst, wie groß der Dynamikbereich ist, mit dem ich arbeiten kann. Nikon-Kameras sind in der Lage, sowohl in den Schatten als auch in den Lichtern Details beizubehalten. Das ist für die Nachbearbeitung sehr hilfreich. In Lightroom hebe ich in der Regel die Schatten leicht an und reduziere die Lichter gerade so weit, dass die Details wiederhergestellt werden, ohne dass das Bild zu bearbeitet aussieht. Falls erforderlich, nehme ich lokale Anpassungen mit Radialfiltern oder Masken vor, um Problembereiche zu korrigieren. Wenn der Kontrast zu extrem ist, mische ich Belichtungsreihen mit rein, um ein ausgewogeneres Bild zu erhalten.


Bei Videos ist es etwas schwieriger, da man die Bilder nicht auf dieselbe Weise mit Belichtungsbereichen bearbeiten kann. Deshalb filme ich immer in N-Log. So erhalte ich ein flacheres Bild mit mehr Spielraum für die spätere Bearbeitung. In der Nachbearbeitung hebe ich die dunklen Bereiche leicht an, passe den Kontrast an und optimiere die Farbbalance. Damit schaffe ich etwas, das sich natürlich anfühlt, aber dennoch diesen filmischen Charakter hat. Sowohl bei Fotos als auch bei Videos möchte ich, dass der endgültige Look so aussieht, wie er wirklich war, nur mit ein wenig mehr Magie.

Ein Haubentaucherpaar, das von hinten beleuchtet wird, mit gerade so viel Gegenlicht, dass sie im Bild hervorstechen. Z9 + NIKKOR Z 70-200mm f/2.8 VR S, 200 mm, f/3.2, 1/1000 s, ISO 500, © Nicolas Jægergaard
Das Wichtigste
Geduld. Ich war schon an vielen Orten und dort zunächst vom Licht enttäuscht. Doch dann hat es sich ein paar Minuten später völlig verändert. Und manchmal ist das Gegenteil der Fall: Das perfekte Morgenlicht verschwindet, bevor ich überhaupt alles aufgebaut habe. Planung und Auskundschaften sind sehr hilfreich, aber ebenso wichtig ist es, flexibel zu sein. Das Licht ändert sich schnell, und einige der besten Bilder entstehen kurz vor oder nach dem Moment, den man erwartet hat. Das Glück spielt auf jeden Fall eine Rolle, aber man muss ihm nachjagen. Also fahre ich so oft wie möglich raus, um die beste Chance zu haben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
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