Trends in der Landschafts- und Reisefotografie 2026

Auf welche Trends können wir uns 2026 freuen? Wir fragen die Landschafts- und Reisefotografie-Profis Kim Grant, André Alexander und Nikon-Magazin-Redakteur Derek Harbinson, welche Trends das Genre im kommenden Jahr prägen werden.
Kreativität statt Präzision
Ein Trend, der 2026 immer mehr an Bedeutung gewinnen soll, ist „Intentional Camera Movement“ (ICM). „Wenn das Licht nicht so ist, wie man es sich wünscht, kann man mit ICM kreativ werden und einzigartige, künstlerische Bilder machen, egal wie die Bedingungen sind“, sagt die schottische Landschaftsfotografin Kim Grant. Bei dieser kreativen Technik wird die Kamera während einer langen Belichtung absichtlich bewegt, um Details zu verwischen und Licht, Farbe und Form in ausdrucksstarke, stimmungsvolle Bilder zu verwandeln – im Gegensatz zur scharfen, genauen Abbildung einer Szene. „Es ist eine Einladung, Perfektion loszulassen und die Freude am Experimentieren wiederzuentdecken!“ Fügt Kim hinzu.
Der Schlüssel ist, mit einer starken Komposition zu starten, genau wie bei einer traditionellen Landschaft, und dann Bewegung einzubauen, um sie zu verändern. Lasst den Blick von einer Seite zur anderen über den Horizont schweifen, folgt den Bäumen in die Höhe oder den Windungen eines Flusses oder einer Straße. Probiert auch verschiedene Belichtungszeiten aus. Es ist eine einfache Technik, die unendlich viele kreative Möglichkeiten öffnet und eine erfrischende Art, bekannte Orte mit neuen Augen zu sehen.“

„Jedes Bild wird zu einer einzigartigen Interpretation, statt zu einer realistischen Wiedergabe eines Ortes“, sagt Kim über ICM. Wenn ihr eure Kamera während der Belichtung bewegt, könnt ihr bekannte Landschaften in fließende Linien, weiche Strukturen und malerische Szenen verwandeln, die oft wie Aquarelle oder Pastellbilder aussehen. Keine zwei Bilder sind jemals gleich. Das macht ICM so unendlich spannend.“ Z7II mit NIKKOR Z 100-400mm f/4.5-5.6 VR S bei 175 mm, f/29, 1/10 s und ISO 64 ©Kim Grant
Lokale Besonderheiten statt exotische Ferne
Statt ferne und immer teurere Reiseziele zu suchen, werden mehr Fotograf:innen ihre Aufmerksamkeit auf Orte in der Nähe richten und nach besonderen atmosphärischen Momenten Ausschau halten. Von Nebelschwaden und Schneegestöber bis hin zu dramatischen Stürmen und stimmungsvollem Licht im Winter. „Einzigartige atmosphärische Bedingungen werden wichtiger als exotische Reiseziele. Denn es kommt zu einer Verschiebung von ‚Wo warst du?‘ hin zu ‚Wann warst du dort?‘, sagt der deutsche Outdoor- und Lifestyle-Fotograf André Alexander. „Um einen Standort wirklich optimal zu nutzen, solltet ihr auf wechselnde Wetterbedingungen achten und bekannte Orte immer wieder aufsuchen, wenn das Wetter sie verändert.“


Licht: Nicht mehr Hinterherjagen, sondern Kollaborieren
„Das meiste über Licht habe ich gelernt, wenn ich keine Kamera dabei hatte“, sagt Kim. Immer mehr unvorhersehbare Bedingungen werden dazu führen, dass Anpassungsfähigkeit und ein gutes Gespür für Licht ab 2026 und darüber hinaus immer wichtigere Fähigkeiten für Fotograf:innen sind. Sie ermutigt Fotograf:innen, das Licht im Laufe des Tages zu beobachten. „Je mehr ihr versteht, wie sich das Licht bewegt und verschiebt, desto besser könnt ihr es vorhersagen und mit ihm arbeiten“, erklärt sie. „Als ich mit der Landschaftsfotografie anfing, dachte ich, dass ich dem Licht hinterherjagen musste, um ein Bild zu bekommen. Gerade heute kann Landschaftsfotografie mehr denn je Ruhe, Trost, kreativen Ausdruck und einen Moment der Selbstfürsorge bieten. Statt dem Licht hinterherzujagen, arbeitet mit dem Licht, das da ist.“
Storytelling in Sequenzen
André geht davon aus, dass es im Jahr 2026 eine Verschiebung weg von einzelnen dramatischen Hero-Images hin zum Storytelling in Sequenzen geben wird. „Ich sehe ein zunehmendes Interesse an Storytelling mit mehreren Bildern, kurzen Sequenzen, kurzen Momenten und zusammenhängenden Sets, die zeigen, wie sich ein Ort anfühlt und nicht nur, wie er aussieht“, sagt er und verweist auf Storytelling-Ansätze wie Roadtrips und Mikro-Abenteuer. „Mein Tipp ist, in Sets von zwei oder drei zu denken. Baut eine Story anhand von Details, weiten Szenen und Übergängen auf, anstatt auf das eine perfekte Bild zu setzen.“
Er erinnert sich an eine kleine Sequenz, die an einem Wintermorgen in Lappland entstand. Anstatt die heroische Landschaft in den Mittelpunkt zu stellen, habe ich eine Story erzählt: Schnee, der bei Sonnenaufgang auf das Dach fällt, Stiefel neben der Tür, der weite weiße Wald direkt hinter der Hütte. Keines der Bilder war für sich genommen besonders dramatisch, aber zusammen vermittelten sie den Eindruck vom Aufwachen in völliger Stille.“


Orte statt Pins – Fotografie abseits der Checkliste
„Slow Travel wird immer beliebter“, sagt Kim. „Anstatt möglichst viele Orte von der Checkliste abzuhaken, nehmen sich die Leute lieber weniger Reiseziele vor und verbringen mehr Zeit an jedem einzelnen, um richtig in die Szene einzutauchen.“
Kim, die schon lange für Achtsamkeit und Wohlbefinden eintritt, findet, dass dieser Wandel für die Landschafts- und Reisefotografie sehr wichtig ist. „Wenn wir einen achtsameren Ansatz verfolgen, erlauben wir uns, die Orte, an die wir reisen, wirklich kennenzulernen. Anstatt Orte von einer Bucket List abzuhaken, verbringen wir mehr Zeit an jedem einzelnen Ort, schaffen bleibende Erinnerungen und machen überlegte, bedeutungsvolle Fotos.“
Ihr Tipp ist einfach. Macht langsam, schaut euch um, beobachtet, wie das Licht fällt – und lasst die Kamera erstmal in der Tasche. „Bei Reisen, vor allem an Orte, an die man vielleicht nie wieder zurückkommt, möchte man einfach alles fotografieren. Aber wenn wir einen Gang zurückschalten, machen wir Dinge bewusster. Wir sehen die Szene nicht einfach nur, sondern nehmen sie wirklich wahr.“


Das Wetter wird zur Reise
Da der Klimawandel die Bedingungen weltweit beeinflusst, erwartet André, dass immer mehr Landschafts- und Reisefotograf:innen sich auf unberechenbares oder raues Wetter vorbereiten, anstatt zu warten, bis es vorbei ist. „Vorbereitung ist alles“, betont er. „Ich versuche, früh da zu sein, suche mir ein schönes Motiv aus und lasse dann das Wetter kommen, anstatt ihm von Ort zu Ort hinterherzulaufen. Bei Nebel und starkem Schneefall mache ich die Fotos meistens etwas überbelichtet, um flaue Grautöne zu vermeiden und die Atmosphäre weich zu halten. Außerdem setze ich auf kleine Aufnahmeserien für die flüchtigen Momente, die oft nur ein paar Sekunden dauern. Denn Schnelligkeit ist wichtiger als perfekte Einstellungen.“

©Derek Harbinson
Die Realität annehmen
In einer Welt voller gefälschter KI-Bilder und geschönter Fotos, die einer Version von „Perfektion“ nacheifern, kehrt die Foto- und Video-Branche zunehmend zu „Was du siehst, ist was du bekommst“ zurück, sagt Derek Harbinson, Redakteur des Nikon Magazins. „Manche Leute haben die perfekten Bilder satt, die sie in ihren Feeds sehen. Es gibt einen wachsenden Gegentrend, die Welt so darzustellen, wie sie ist, statt wie wir sie gerne hätten. Es hat Vorteile, mit dem zu arbeiten, was vorhanden ist, anstatt zu denken: „Das entferne oder ändere ich später in der Nachbearbeitung.“ Man überlegt sich die Komposition genauer. Und schätzt das Vorhandene, so wie es ist. Eigentlich eine Rückkehr zu einem dokumentarischen Stil, bei dem Ort und Zeit so festgehalten werden, dass sie echte Erfahrung widerspiegeln und keine idealisierte Welt. Das Licht ist manchmal langweilig, der Himmel ist nicht immer spektakulär und das Wetter ist unvorhersehbar. Doch für mich ist es gerade die ständige Veränderung der Landschaft, die sie so schön macht.“
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