So entscheidet ihr euch für eine Bildrate

John Bogna Camera 101 05 Jän. 20264 Minuten Lesezeit
Nikon magazine

In diesem Teil des Kamera-Einmaleins geht es um Bildraten. Was sie sind, warum sie wichtig sind und wie ihr sie für eure kreativen Ziele nutzen könnt …

Was sind Bildraten?

Ein Video wirkt wie eine einzige kontinuierliche Bewegung. Tatsächlich besteht ein Video aus einzelnen Bildern oder Frames, die von der Kamera aufgenommen werden. Die Bildrate, die man in Bildern pro Sekunde (Bilder/s) misst, ist die Geschwindigkeit, mit der die Kamera die Bilder in einer Videosequenz aufnimmt.

Habt ihr als Kind auch Daumenkinos gebastelt? Erinnert ihr euch, wie es aussah, als würde sich die Zeichnung bewegen, wenn man die Seiten durchblätterte? Es ist das gleiche Prinzip. Die Bildrate gibt an, wie schnell die Seiten geblättert werden. Eine höhere Bildrate bedeutet also flüssigere Bewegungen, während eine niedrigere Bildrate das Gegenteil bewirkt.

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25 Bilder/s ©Twin the World

So wirkt sich die Bildrate auf eure Videos aus

Euer kreatives Ziel und wie das Filmmaterial aussehen soll, beeinflussen die Wahl der Bildrate für euer Projekt.

Schnellere Bildraten erfassen mehr Bilder pro Sekunde und damit mehr Details. Wenn ihr eine butterweiche Zeitlupe wollt, wählt ihr eine viel höhere Bildrate als die Standardeinstellung. Denn ihr müsst viel mehr Bilder als normalerweise aufnehmen, damit das Filmmaterial auch bei Verlangsamung noch flüssig aussieht.

Wenn ihr dagegen Bewegungsunschärfe wollt, könnt ihr eine langsamere Bildrate ausprobieren, die nicht jede Bewegung so genau verfolgt.

50 Bilder/s ©Twin the World

Belichtungszeit und Bildrate

Viele Menschen glauben, dass Belichtungszeit und Bildrate dasselbe sind. Sie beeinflussen sich gegenseitig, aber sie sind nicht dasselbe.

Die Belichtungszeit der Kamera ist die Zeit in Sekunden oder Bruchteilen einer Sekunde, die der Verschluss offen bleibt und Licht auf den Sensor fällt. Die Bildrate gibt an, wie viele Bilder pro Sekunde in einer Videoaufnahme aufgenommen werden.

Viele aktuelle spiegellosen Kameras verwenden einen elektronischen Verschluss. Er ermöglicht höhere oder niedrigere Belichtungszeiten als ein physischer Verschluss, da er ohne bewegliche Teile funktioniert. Die Z8 zum Beispiel kann Fotos mit 120 Bildern pro Sekunde aufnehmen.

Die Belichtungszeit beeinflusst die Bildrate wenn ihr filmt. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie man sie richtig einstellt. Eine einfache Faustregel lautet, dass die Belichtungszeit doppelt so lang sein sollte wie die gewünschte Bildrate, damit die Aufnahmen für das menschliche Auge normal aussehen. Wenn ihr also mit 60 Bildern/s filmen möchtet, müsst ihr die Belichtungszeit auf 1/120 einstellen.

Mehr dazu: Was ist die Belichtungszeit in der Fotografie?

60 Bilder/s ©Twin the World

Gängige Bildraten und wie ihr die richtige wählt

Bevor ihr mit eurem Projekt beginnt, solltet ihr zumindest eine Vorstellung davon haben, welche Bildrate ihr verwenden möchtet und warum. Überlegt euch, welche kreativen Effekte ihr mit eurem Filmmaterial erzielen wollt und wie realistisch es sein soll – das hilft euch bei der Entscheidung. Obwohl 24 Bilder/s weltweit die „klassische“ Bildrate für Filme ist, gibt es in den USA und Europa Unterschiede bei der Übertragung, weil jeweils unterschiedliche Systeme verwendet werden (PAL/SECAM in Europa und NSTC in Amerika). In den USA sind 30/60 und 120 Bilder/s die Standard-Bildraten, während es in Europa 25/50 und 100 Bilder/s sind.

Allgemein verwendete Bildraten sind:

  • 24 Bilder/s: In den meisten Filmen und einigen Streaming-Inhalten, um ein realistisches Aussehen zu erzielen, das dem entspricht, was das menschliche Auge sieht.
  • 25/30 Bilder/s: In Live-TV-Übertragungen und -Shows, insbesondere Sport, um die Qualität und Detailtreue zu erhöhen.
  • 50/60 Bilder/s: Für hohe Detailtreue und flüssige Action in Verbindung mit modernen hochauflösenden Standards wie 4K-Film.
  • 100/120 Bilder/s: Zeitlupen-Filme und rasante Action wie hochauflösende Spiele.

Es ist völlig okay, bei jedem Projekt bei 24 Bildern/s zu bleiben, bis ihr Lust habt, andere Einstellungen auszuprobieren. Macht euch zunächst mit den einzelnen Bildraten vertraut und seht durch Ausprobieren, welche euch am besten gefallen.

120 Bilder/s ©Twin the World

Weitere Faktoren, die zu überlegen sind

Beim Anpassen der Bildrate ändern sich nicht nur die Flüssigkeit und die Details der Aufnahmen. Sondern auch die Lichtmenge.

Denn je höher die Bildrate, desto mehr Bilder fotografiert die Kamera und desto öfter muss Verschluss auf- und zugehen. Das Öffnen und Schließen verringert die Lichtmenge, die auf den Sensor gelangen kann – genau wie beim Fotografieren mit einer sehr kurzen Belichtungszeit.

Um das auszugleichen, müsst ihr die ISO-Empfindlichkeit und Blendeneinstellung bei einer höheren Bildrate anpassen. Außerdem müsst ihr auf die richtige Beleuchtung achten, denn wie bei der Fotografie, kann zu wenig Licht zu Bildrauschen und schlechter Qualität führen.

Mehr zu Fachbegriffen aus der Filmproduktion findet ihr in diesem Artikel.

Das ist alles, was ihr wissen müsst, um loszulegen! Schaut euch die technischen Daten der Kamera an, um zu sehen, was sie kann, und fangt dann mit dem Filmen an.

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