B-Roll mit der Z5II aufnehmen

TwintheworldNachbearbeitung27 Jän. 20266 Minuten Lesezeit
Nikon magazine - guide to B-roll

In den Alpen beweisen Twintheworlds Valentin Manhart und Roman Flepp, dass B-Roll mit der Nikon Z5II mehr ist als nur Beiwerk: Es wird zur filmischen Erzählung

B-Roll kann filmische Kunst sein, wie die Schweizer Filmemacher Valentin Manhart und Roman Flepp von Twintheworld mit der Nikon Z5II in den Bergen der Ostschweiz beweisen. „B-Roll ist ergänzendes Videomaterial, das die Haupthandlung, also die A-Roll, unterstützt“, sagt Valentin. „So unterfüttert ihr euer Werk mit Emotionen, Atmosphäre und kontextueller Tiefe – was im Hauptmaterial verloren gehen kann.“

Ihr müsst wissen, was ihr filmen wollt – und warum

Ihre Arbeit fängt schon lange vor dem Drücken der Aufnahmetaste an. Zuerst sammeln sie Ideen und machen eine detaillierte Liste der Szenen. Sie überlegen sich, welche Objektive, Bewegungen und Sounds sie aufnehmen wollen. Außerdem erstellen sie ein digitales Moodboard mit Referenzbildern, um den angestrebten Look und die Atmosphäre festzulegen. „Weitwinkelszenen zeigen, wo ihr seid, während Nahaufnahmen und Strukturen mehr über die Umgebung verraten“, sagt Valentin. „Wir nehmen gerne detaillierte Szenen oder alternative Blickwinkel auf, zum Beispiel von Leuten beim Wandern oder Fußspuren auf einem Wanderweg, um die Bilder dynamisch zu halten. Bei Landschaften gibt es nicht viel Bewegung, also bringt das Fotografieren einer Person Bewegung und Emotionen rein. Aber die besten B-Roll-Momente sind oft die spontanen, wie wenn plötzlich Wildtiere erscheinen. Tiere können eine Szene echt zum Leben erwecken. Mein Rat: Haltet die Augen offen. Wir haben festgestellt, dass Langsamkeit und Aufmerksamkeit zu besseren Ergebnissen führen. Wir haben unsere Kameras immer bereit und versuchen, Momente wie das Aufziehen von Nebel oder Lichtveränderungen vorauszusehen – damit wir vorbereitet sind, wenn etwas Besonderes geschieht.“

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B-Roll mit der Z5II aufnehmen

Im Einklang: Was passt zusammen und was muss man anpassen?

Beim Filmen in der Alpstein-Bergkette in der Nähe des Säntis, hoch über einem Nebelmeer, zahlte sich ihre sorgfältige Planung aus. „Bei anspruchsvolleren Projekten teilen wir uns die Arbeit auf“, erklärt Valentin. „Meistens filmt derjenige, der das Konzept entwickelt hat, die A-Roll, und der andere kann mit der B-Roll kreativer sein. Wir versuchen immer, einen ähnlichen visuellen Stil beizubehalten. Wir besprechen, was wir aufnehmen wollen, und schauen uns gegenseitig das Filmmaterial an, um sicherzugehen, dass wir alles haben, was wir brauchen.“

 

Dieser kollaborative Ansatz gilt auch für das technische Setup. Für Teile dieses Projekts haben sie die Einstellungen der Z8, die für die A-Roll verwendet wurde, an die der Z5II für die B-Roll übernommen. „Wir nehmen mit der Z5II immer in einem flachen Profil oder N-Log auf. Ihr Dynamikumfang ist für eine kleine Kamera wirklich beeindruckend. Wenn man den Weißabgleich beider Kameras auf denselben Kelvin-Wert einstellt, macht das die Bearbeitung viel einfacher“, sagt Valentin, und fügt hinzu, dass sie manchmal die Einstellungen für die B-Roll ändern, um ihr einen eigenen Look zu geben. „Normalerweise filmen wir mit 30 Bildern pro Sekunde, weil es der Standard für soziale Medien ist. Für die B-Roll wechseln wir zwischen 25 und 30 Bildern pro Sekunde, um Abwechslung zu schaffen. Zeitlupe mit 50 Bildern pro Sekunde kann auch interessant sein.“

 

Lieber zu viel als zu wenig

Valentin und Roman sind sich einig: B-Roll kann man nie genug haben. „Macht viele kurze Clips, die nur ein paar Sekunden lang sind, und gebt euch damit mehrere Optionen“, sagt Valentin. „Bei einem Dreh haben wir 300 bis 400 B-Roll-Clips gefilmt und dann die besten rausgesucht. Nehmt die gleiche Szene aus mehreren Blickwinkeln auf: einmal mit Vordergrund, dann ohne, mit Fokus auf Nahaufnahme, dann mit Fokus auf Fernaufnahme. Bei Interviews filmt einen zweiten oder sogar dritten Blickwinkel derselben Person. Das macht die Bearbeitung dynamischer und sieht professioneller aus. Verschiedene Blickwinkel sind auch wichtig, damit das Filmmaterial visuell ansprechend bleibt. Das neig- und drehbare Display der Z5II macht es einfach, kreative Perspektiven zu finden.“

 

Damit sie diese unterschiedlichen Perspektiven einfangen können, nutzen die beiden verschiedene Objektive, darunter das NIKKOR Z 20mm f/1.8 S, NIKKOR Z 85mm f/1.8 S, das NIKKOR Z 50mm f/1.8 S und das NIKKOR Z 28–400mm f/4–8 VR. „Das 50-mm-Objektiv ist großartig für Interview-Szenen, die in der A-Roll vorkommen, weil es genau den mittleren Bereich bietet, in dem das Motiv sich vom Hintergrund abhebt“, fährt Valentin fort. „Für B-Roll verwenden wir meistens das 85-mm-Objektiv oder für weitläufige Szenen das 20 mm. Beide sind großartig, um Details einzufangen. Mit dem 28-400 mm zoomen wir entfernte Motive in weiten Landschaften heran – perfekt für ergänzende Szenen, die für Abwechslung sorgen.“

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Unterschiedliche Bildraten für unterschiedliche Effekte verwenden ©Twin the World

Warum die Nikon Z5II perfekt für B-Rollen ist

Es ist wichtig, die Objektive mit der richtigen Kamera zu kombinieren. Für solche Projekte ist die Nikon Z5II die perfekte Wahl, sagt das Duo. „Für uns ist die Z5II die perfekte zweite Kamera für B-Roll“, meint Roman, und Valentin fügt hinzu: „Sie ist erschwinglich, liefert 4K-Video mit einer guten Auswahl an Bildraten und ist so leicht, dass man sie gut auf mehrtägige Wanderungen mitnehmen kann. Sie hat zwar nicht den gleichen Dynamikumfang wie die Z8, aber der Unterschied ist kleiner, als man denkt. Außerdem ist sie perfekt für den Einstieg in die Welt der Vollformatkameras.“ Roman betont einen weiteren Vorteil: „Nikon-Kameras verfügen über eine so gute Bildstabilisierung, dass man im Freien eigentlich keinen Gimbal benötigt, sondern einfach die Bewegung des eigenen Körpers nutzen kann.“ Valentin stimmt dem zu, und bemerkt, dass sich das auch als Stilmittel einsetzen lässt: „Manchmal bringen wir ein bisschen natürliche Bewegung rein, um einen leicht ‚verwackelten‘ B-Roll-Look zu kriegen.“

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Schaut euch an, wie Twin the World zwischen A- und B-Roll hin und her wechselt.

A und B in der Nachbearbeitung mischen

Zurück im Studio fügen sie das B-Roll-Material in die Hauptsequenz ein, um eine zusammenhängende Story zu erstellen. „Das Wichtigste ist, dass es keine großen Widersprüche gibt zwischen dem, was gesagt, und dem, was gezeigt wird“, sagt Valentin. Er erklärt, wie sie unterschiedliche Clips vom selben Ort auswählen und mit dem Gesagten abgleichen. „Während der Voiceovers vermeiden wir Szenen, die optisch zu beeindruckend sind, weil sie von der Story ablenken können. Diese spektakuläreren Clips funktionieren am besten in ruhigeren Momenten oder Übergängen. Wir mögen es auch, wenn die B-Roll ihre eigene kleine Storyline hat. Die mit einer Einstellungsszene anfängt, dann zu Zwischenszenen übergeht und schließlich Details zeigt, damit alles organisch wirkt und die Haupt-Story unterstützt. Das ist letztendlich der Hauptzweck von B-Roll-Material.“

 

Top-Tipps von Twintheworld:
  • Denkt an den Sound
    „Unsere B-Roll ist meistens ohne Ton. Aber wenn ihr Ton aufnehmt, der perfekt passt, dann verwendet ihn. Das kann Atmosphäre schaffen und die Szene noch stärker wirken lassen.“
  • Licht und Bewegung steuern
    „Für unscharfe Vordergrundbereiche filmen wir mit einer kleinen Blendenzahl. Dazu empfehlen wir ND-Filter mit Step-Down-Ringen, um bei schnellen Wechseln flexibel zu sein. Um den Rolling-Shutter-Effekt zu vermeiden, führt eure Schwenks sanft und gleichmäßig.“
  • Filmen in N-Log

 

„Der Dynamikumfang der Z5II ist für eine so kompakte Kamera sehr beeindruckend, vor allem für Videograf:innen, die schon ein bisschen Erfahrung haben. Es ist eine großartige Gelegenheit, um sich ins Color Grading einzufuchsen.“

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