Die Nikon ZR: Getestet und für gut befunden

Nicolas Jægergaard5 Minuten Lesezeit14 Apr. 2026Getestet und für gut befunden
Nikon magazine - ZR tried and tested

Nicolas Jægergaard begibt sich in die Arktis, um die für Filmaufnahmen konzipierte Nikon ZR richtig auszuprobieren …

Die Lofoten in Norwegen sind ein Ort, den man das ganze Jahr über besuchen kann und der sich dabei nie gleich anfühlt – vor allem weil sich die Landschaft im Laufe der Jahreszeiten so dramatisch verändert. Dieses Mal habe ich mich für eine Reise im Winter entschieden, um die Nikon ZR ausgiebig zu testen. Schaut euch mein Video an, um zu sehen, wie es geworden ist, und lest dann weiter, um mehr zu erfahren …

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Erste Eindrücke

Mein erster Gedanke war, wie natürlich sich die Nikon ZR anfühlt. Da ich bereits andere Nikon-Kameras besitze, war der Umstieg sehr reibungslos. Das Menüsystem ist vertraut, die Anordnung ist logisch, und ich hatte nicht das Gefühl, eine völlig neue Arbeitsweise erlernen zu müssen. Das ist wichtig, wenn man alleine unterwegs ist und sich ganz auf das kreative Schaffen konzentrieren möchte.

Die Kamera lag solide in der Hand, war aber leicht genug, um sie bequem zu handhaben. Sie wurde sehr schnell zu einem Teil meines Arbeitsablaufs, ohne dass ich viel darüber nachdenken musste. Wenn die Belichtung unvorhersehbar reagiert, der Autofokus zögert oder ich ständig in den Menüs herumklicken muss, verliere ich den Kontakt zum Moment. Auf den Lofoten kann die Belichtung – vor allem bei Schnee und starken Lichtreflexionen – eine Herausforderung sein, aber genau deshalb wollte ich dorthin. Ich wollte die Lichter bewusst ausreizen, insbesondere bei der Arbeit in R3D NE, und dabei die Wellenformanzeige im Blick behalten, um möglichst nah an die Grenze zu kommen. Und die Nikon ZR reagierte sehr kontrolliert und vorhersehbar. Sobald ich wusste, wie die Kamera tickt, konnte ich mich ganz auf den Bildausschnitt und das Timing konzentrieren. Der große 4-Zoll-Monitor war ebenfalls hilfreich, vor allem beim Planen von Aufnahmen aus niedrigen Blickwinkeln oder bei der Arbeit mit dem Gimbal. All das gab mir Flexibilität, ohne dass ich mein Setup ändern musste. Solche Kleinigkeiten machen mehr aus, als ihr denkt.

„Die Kamera lag solide in der Hand, war aber leicht genug, um sie bequem zu handhaben. Sie wurde sehr schnell zu einem Teil meines Arbeitsablaufs, ohne dass ich viel darüber nachdenken musste.“

Nikon magazine - ZR tried and tested

Von links nach rechts, von oben nach unten. 1. RAW R3D NE. 2. LUT angewendet. 3. Anpassungen von Licht, Schatten und Kontrast. 4. Farbanpassungen. © Nicolas Jægergaard

ZR RED Colour Science

Was mir als Erstes aufgefallen ist: Das Filmmaterial wirkt authentisch und nicht übermäßig filmisch, digital oder bearbeitet. Es fühlt sich einfach ganz natürlich an. Und genau das ist mein Ziel. Ich möchte, dass es so aussieht, wie sich der Ort angefühlt hat.

Auf den Lofoten kann sich das Licht besonders im Winter schnell ändern. Schnee reflektiert sehr viel Licht – und selbst bei sehr hellem Licht gelang es mir, die Lichter in der Nachbearbeitung abzuschwächen, ohne dass das Bild an Qualität einbüßte. Diese Wiederherstellung der Lichter hat mich positiv überrascht. Die Weißtöne blieben klar und kontrolliert, anstatt hart oder unnatürlich zu wirken.

Ich habe eine Basis-LUT als Ausgangspunkt verwendet, und ehrlich gesagt hat das schon den Großteil der Arbeit erledigt. Oft erzielte ich per LUT bereits einen Bildeindruck, der sich fast wie das fertige Ergebnis anfühlte. Danach habe ich nur noch den Kontrast leicht angepasst und die Schatten, Lichter und die Farbbalance fein abgestimmt. Der Arbeitsablauf fühlte sich effizient und vorhersehbar an. Im Vergleich zur Arbeit mit N-Log auf meiner Nikon Z9 spielt R3D NE in einer anderen Liga. Es gibt einfach mehr Details und mehr Spielraum.

„R3D NE ist ein ganz neues Level. Es gibt einfach mehr Details und mehr Spielraum.“

Nicolas’ Ansatz bestand darin, die Landschaft der Lofoten für sich selbst sprechen zu lassen. Links: Nikon ZR + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S II, 35 mm, 1/400 s, f/3.5, ISO 280. Mitte: Nikon ZR + NIKKOR Z 28-135mm f/4 PZ, 28 mm, 1/250 s, f/9, ISO 220. Rechts: 28 mm, 1/160 s, f/4, ISO 500 © Nicolas Jægergaard

Bewegung und Gleichgewicht

Die Landschaft der Lofoten ist schon für sich genommen beeindruckend genug. Man braucht keine schnellen Schnitte oder dramatischen Kamerabewegungen, um eine kraftvolle Wirkung zu erzielen. Die Lofoten haben bereits eine Präsenz. Mein Ansatz war also eher beobachtend: langsamere Bewegungen, den Szenen Raum zum Atmen geben, der Umgebung Platz einräumen, anstatt ständig zu versuchen, mit Bewegung zu beeindrucken.

Sowohl Aufnahmen aus der Hand als auch mit einem Gimbal spielten eine Rolle. Dank des integrierten Bildstabilisators in der ZR konnte ich sehr ruhige Handaufnahmen machen, was mir Freiheit und Spontaneität gab, ohne dabei die ruhige Atmosphäre zu verlieren. Und die ZR funktionierte auch auf dem Gimbal sehr gut, da das Ziel nicht darin bestand, dynamische Action-Clips zu filmen, sondern vielmehr flüssige, kontrollierte Bewegungen, die sich natürlich anfühlen. Ich wollte, dass die Zuschauer:innen das Gefühl haben, mit mir dort zu stehen und nicht eine rasante Reisemontage anzusehen.

Die Balance war unkompliziert, und da das Gehäuse nicht allzu schwer ist, lag es auch bei längeren Aufnahmen gut in der Hand. In Kombination mit dem NIKKOR Z 28 – 135 mm PZ konnte ich den Bildausschnitt nahtlos anpassen, ohne pausieren zu müssen, um das Objektiv zu wechseln. So konnte ich beispielsweise kleine, kontrollierte Zoom-ins filmen, um Intimität zu erzeugen, ohne mich physisch näher heranzubewegen – und so die Aufmerksamkeit sanft lenken, anstatt abrupte Veränderungen vorzunehmen. Diese Flexibilität ist hilfreich, wenn sich das Licht schnell ändert oder wenn in der Ferne etwas Interessantes passiert. So bleibt man ganz im Hier und Jetzt, und der Drehfluss wird nicht unterbrochen.

„Die Balance war unkompliziert, und da das Gehäuse nicht allzu schwer ist, lag es auch bei längeren Aufnahmen gut in der Hand.“

Nikon magazine - ZR tried and tested
Nikon magazine - ZR tried and tested
Nicolas nutzt den speziellen AF-Modus der ZR zur Erkennung von Vogelmotiven, um gestochen scharfe Aufnahmen zu erzielen. Links/unten: Nikon ZR + NIKKOR Z 28-135mm f/4 PZ, 135 mm, 1/3200 s, f/4, ISO 640. Rechts/oben: 135 mm, 1/320 s, f/4, ISO 100 © Nicolas Jægergaard
Schärfenachführung in der Praxis

Der Autofokus bleibt auch bei Bewegung stabil, was besonders wichtig ist, wenn ihr auf unebenem Untergrund unterwegs seid oder auf wechselnde Lichtverhältnisse reagieren müsst. Ich war unterwegs, um Seeadler zu filmen – das war ein großartiger Praxistest. Ich habe die Motiverkennung auf „Vogel“ umgestellt, wodurch die Kamera genau das priorisieren konnte, was ich im Fokus haben wollte. Selbst bei schnellen Bewegungen und unvorhersehbaren Flugbahnen funktionierte der Autofokus sehr zuverlässig, und mir wurde wieder bewusst, warum eine intelligente Motiverkennung in der Praxis so wichtig ist. Sie räumt alle Zweifel aus.

Nikon magazine - ZR tried and tested

Einzelne Bilder aus Nicolas’ Film könnten ohne Weiteres als Fotos für sich stehen. © Nicolas Jægergaard

Audioleistung und -steuerung

Der Ton trägt wesentlich zur Atmosphäre an einem Ort wie diesem bei. Man hört ständig Wind, Wellen und leise Hintergrundgeräusche. Wenn man allein ist, gewinnen diese Geräusche noch mehr an Bedeutung.

Der 32-Bit-Float-Ton ist wirklich unglaublich. Ich habe den Mikrofonpegel genau in der Mitte eingestellt, etwa auf 10, und ihn so belassen. Es gab keinen einzigen Moment, in dem der Ton übersteuert war. Unter den windigen, arktischen Bedingungen ist das eine beeindruckende Leistung. Wenn man alleine filmt, denkt man automatisch anders. Ich musste die Pegel nicht ständig überwachen oder mir Gedanken über plötzliche Lautstärkespitzen machen. Diese Freiheit macht mich freier im Kopf. So kann ich mich auf die Bildkomposition und das Erzählen der Geschichte konzentrieren, anstatt mich mit technischen Details zu beschäftigen. Für mich ist das echt revolutionär.

„Der 32-Bit-Float-Ton ist wirklich unglaublich … Es gab keinen einzigen Moment, in dem der Ton übersteuert war.“

Nikon magazine - the ZR tried and tested
Top-Tipps, um das Beste aus der Nikon ZR herauszuholen

  • Nutzt die Wellenformanzeige und scheut euch nicht, das Spitzlicht zu testen, besonders in hellen Umgebungen wie Schnee.
  • Nutzt die Vorteile von 32-Bit-Float-Audio. Das nimmt viel Stress aus dem Workflow – vor allem, wenn ihr allein arbeitet.
  • Nutzt ein einfaches Setup. Die Kamera hat viel zu bieten, doch ihre wahre Stärke liegt darin, wie nahtlos sie sich in die Filmproduktion einfügt.
  • Lasst die Kamera für euch arbeiten, nicht gegen euch. Mit der Nikon ZR, die die technische Seite übernimmt, könnt ihr euch auf das Wesentliche konzentrieren: Bildausschnitt, Timing und Atmosphäre.
  • Lasst die Umgebung die Geschichte prägen, denn ihr könnt sie nicht kontrollieren. Ich hatte Glück und das Licht war wunderschön, aber man muss sich immer anpassen. Diese Unvorhersehbarkeit zwingt euch dazu, ganz im Hier und Jetzt zu bleiben, und beeinflusst die Art und Weise, wie ihr filmt.
Nikon magazine - ZR tried and tested

Nicolas sagt, dass die ZR Dateien lieferte, die bei der Bearbeitung mehr Flexibilität ermöglichten. Nikon ZR + NIKKOR Z 28-135mm f/4 PZ, 28 mm, 1/250 s, f/8, ISO 720 © Nicolas Jægergaard

Abschließende Gedanken

Die Nikon ZR ließ sich hervorragend handhaben. Was die Bedienbarkeit angeht, fühlt sie sich immer noch wie eine Nikon an. Aber diese Kombination aus erstklassigen Videofunktionen und einer vertrauten, intuitiven Handhabung macht sie für jemanden wie mich sehr interessant, der sowohl mit Fotos als auch mit Videos arbeitet. Ich hatte nicht das Bedürfnis, ständig die Einstellungen zu überprüfen oder anzupassen: Der Autofokus funktionierte zuverlässig, die Belichtung war stabil, und ich konnte einfach beobachten, was vor mir geschah. Dieses Gefühl des Vertrauens ist wichtig. Wenn man sich nicht über die Kamera ärgern muss, bleibt man besser mit dem Geschehen verbunden.

Für mich liegt der größte Unterschied in der Videoflexibilität und im gesamten Arbeitsablauf. Die Z9 ist eine beeindruckende Hybridkamera. Ich verwende sie oft. Mit der ZR und dem R3D NE habe ich das Gefühl, dass ich mehr Spielraum habe, das Bild in der Nachbearbeitung zu – ohne befürchten zu müssen, dass es dabei an Qualität verliert. Die Dateien bieten einfach mehr Spielraum. Wie viele Details ich in der Nachbearbeitung wiederherstellen konnte, ohne dass es künstlich wirkte, war beeindruckend.

Das Gesamterlebnis wirkte zuverlässig und konsistent, selbst unter wechselhaften winterlichen Bedingungen. Ich würde die ZR Filmemacher:innen und Hybrid-Kreativen empfehlen, die eine hervorragende Bildqualität, aber auch ein praktisches, einsatzbereites Setup wünschen. Sie ist besonders interessant für alle, die in wechselnden Umgebungen arbeiten, für Outdoor-Filmemacher:innen, Reise-Content-Creators und Dokumentarfilmer:innen.

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