Nachtaufnahmen: Die Dunkelheit beherrschen

Bringt eure Nachtfotografie auf das nächste Level – mit unseren Expertentipps zum Einfangen von Milchstraße, Nordlichtern und Sternspuren, zur richtigen Ausrüstung und zur optimalen Belichtung bei Nacht
Gibt es etwas Faszinierenderes als den Nachthimmel? Schon seit Urzeiten hat er die Menschen in seinen Bann gezogen und sie zum Nachdenken angeregt. Dank moderner Kameratechnik müssen wir nicht mehr nur in den Himmel blicken und staunen – wir können ihn in seiner ganzen Schönheit festhalten.
Bevor ihr loslegt
Für Nachtaufnahmen solltet ihr zunächst die Wetterbedingungen prüfen. Ein klarer oder wolkenloser Himmel ist ideal für das Fotografieren von Sternen und der Milchstraße. Beachtet dabei auch Phase und Position des Mondes. Bei hellem Mondlicht sind lichtschwache Sterne nicht zu sehen – dafür aber werden Landschaften magisch beleuchtet.
© Angel Fux

Benötigte Komponenten:
Für die Nachtfotografie sind lichtstarke Objektive (mit großer Offenblende) unverzichtbar. So kann mehr Licht auf den Sensor treffen, was zu einem niedrigeren ISO-Wert und kürzeren Belichtungszeiten führt. Objektive mit einer Blende von f/2.8 oder lichtstärker sind besonders praktisch. Weitwinkelobjektive sind eine gute Wahl, wenn ihr mehr von der Landschaft oder dem Nachthimmel aufs Bild bekommen wollt. Ein Zoomobjektiv sorgt für mehr Flexibilität bei der Bildkomposition. Ein Festbrennweitenobjektiv hingegen bietet oft eine größere Offenblende bei kompakterer und leichterer Bauweise. Zu den besten FX-Objektiven für die Nachtfotografie zählen das NIKKOR Z 14-24mm f/2.8 S, NIKKOR Z 17-28mm f/2.8, NIKKOR Z 20mm f/1.8 S, NIKKOR Z 24mm f/1.8 S, NIKKOR Z 26mm f/2.8, NIKKOR Z 28mm f/2.8, NIKKOR Z 35mm f/1.2 S, NIKKOR Z 35mm f/1.4 und NIKKOR Z 35mm f/1.8 S. Für DX-Kameras empfehlen wir das NIKKOR Z DX 16-50mm f/2.8 VR, NIKKOR Z DX 24mm f/1.7 und NIKKOR Z DX MC 35mm f/1.7.
Die Planung
Nachtfotografie erfordert Geduld und Präzision. Je länger die Belichtung, desto weniger Aufnahmen macht ihr in der Zeit. Geht die Sache also überlegt an: Stabilisiert eure Kamera mit einem guten Stativ, wählt sorgfältig den Bildausschnitt und passt die Belichtungseinstellungen an die Szene an.
Der Autofokus kann bei sehr schwachen Lichtverhältnissen manchmal Schwierigkeiten haben – stellt euch also darauf ein, notfalls manuell zu fokussieren. Vergrößert dazu die Ansicht auf dem Display eurer Kamera. So könnt ihr leichter auf einen hellen Stern, ein entferntes Licht oder einen anderen klar definierten Punkt fokussieren und die manuellen Einstellungen präzise vornehmen. Dreht einfach langsam den Fokusring, bis der Stern am schärfsten erscheint. Wenn eure Kamera Focus Peaking oder Starlight View unterstützt, fällt euch das Fokussieren im Dunkeln damit leichter.
Nachtszenen weisen sehr unterschiedliche Farbtemperaturen auf – vom gelblichen Farbton der Straßenlaternen bis hin zu den kühleren Tönen des Mondlichts. Experimentiert daher mit dem Weißabgleich eurer Kamera, um die Stimmung der Szene genauer einzufangen oder verschiedene Effekte zu erzielen. Ein kühlerer Weißabgleich verstärkt zum Beispiel die zauberhafte Stimmung einer mondbeschienenen Landschaft oder des Sternenhimmels. Nehmt eure Bilder auf jeden Fall im RAW-Format auf – damit seid ihr in der Nachbearbeitung bei der Feinabstimmung des Weißabgleichs und der Farben flexibler.
Sieben Nachtszenen, die es zu meistern gilt


1. Die Milchstraße
Um die geheimnisvolle Milchstraße einzufangen, beginnt ihr am besten mit einem ISO-Wert von etwa 3200 bis 6400. Passt diesen je nach Kamera, Objektiv und Wetterbedingungen an. Kombiniert dies mit einer großen Blendenöffnung, idealerweise f/2.8 oder größer, um so viel Licht wie möglich einzufangen. Die Belichtungszeit sollte lang genug sein, um die Sterne scharf aufzunehmen, aber kurz genug, um keine Lichtspuren zu erzeugen. Etwa 8 bis 20 Sekunden sind ein guter Ausgangswert. Die ideale Belichtungszeit hängt natürlich von eurer Brennweite und Kamera ab.
Für eine genauere Orientierung verwendet ihr die NPF-Regel: Damit lässt sich die längste Verschlusszeit abschätzen, bevor die Sterne unscharf werden. Berücksichtigt werden dafür eure Brennweite, die Blende und der Kamerasensor. Manuell müsst ihr den Wert nicht berechnen: Apps wie PhotoPills helfen euch, die empfohlene Belichtungszeit für eure Nikon-Kamera und euer NIKKOR-Objektiv zu ermitteln.
Hier erfahrt ihr mehr darüber, wie Astrofotografin Angel Fux die Milchstraße über Peru eingefangen hat.


2. Sternspuren
Sternspuren zeigen die scheinbare Bewegung des Nachthimmels, die durch die Drehung der Erde entsteht. Sie lassen sich mit einer einzigen, sehr langen Belichtung erstellen. Ihr könnt jedoch auch eine Reihe kürzerer Belichtungen zusammenfügen – das erlaubt mehr Kontrolle, kann das Rauschen reduzieren und erleichtert das Entfernen von Bildern, auf denen Satelliten, Flugzeuge oder Streulichter zu sehen sind.
Setzt eure Kamera auf ein stabiles Stativ und öffnet die Blende. Wählt einen moderaten ISO-Wert und eine Verschlusszeit von 20 bis 30 Sekunden pro Aufnahme. Macht ein paar Testfotos und passt die Belichtung entsprechend an. Nehmt dann mit der Intervallaufnahme automatisch eine Bilderserie auf. Die Zeitabstände zwischen den einzelnen Bildern sollten so kurz wie möglich sein. Bei 30 Sekunden pro Bild ergeben 120 Bilder eine Belichtungszeit von ungefähr einer Stunde – ideal für kürzere, subtilere Lichtspuren. Verdoppelt oder vervierfacht ihr diese Anzahl, erhaltet ihr zunehmend beeindruckendere Lichtspuren.
Je nachdem, wohin ihr die Kamera richtet, ändert sich auch der Effekt. Wenn ihr auf der Nordhalbkugel gen Polarstern aufnehmt, erhaltet ihr klassische kreisförmige Lichtspuren. In Richtung des Himmelsäquators (der imaginären Linie im Himmel direkt über dem Äquator) wirken die Lichtspuren langgezogen und sanfter geschwungen. Apps wie PhotoPills helfen euch, beides zu finden – und geben euch eine Vorschau der jeweiligen Spuren.
3. Stimmungsvolle Straßenszenen
Kaum etwas wirkt so stimmungsvoll wie eine nächtliche Straße bei Dunst, Nebel, Regen oder Schnee. Diffuses Straßenlicht und Lichtinseln verleihen dem Bild Tiefe, eine geheimnisvolle Atmosphäre und erzählerische Wirkung.
Bei einer statischen Szene montiert ihr eure Kamera auf ein Stativ, stellt einen niedrigen ISO-Wert ein und wählt eine Blende von f/5.6 bis f/8. Passt die Belichtungszeit an die Lichtverhältnisse an. Achtet auf helle Straßenlaternen und Leuchtreklamen, da in diesen Bereichen leicht Details in den Lichtern verloren gehen können. Wenn ihr aus der Hand fotografiert oder Personen in der Szene einfrieren möchtet, öffnet die Blende weiter und erhöht den ISO-Wert, damit die Belichtungszeit kurz genug wird.
Werdet in der Stadt bei Nacht noch kreativer mit diesen Top-Tipps.


4. Polarlichter
Das Polarlicht – so schön und flüchtig, wie es ist – gehört zu den am schwersten einfangbaren Motiven. Wenn ihr das Glück habt, es zu sehen, beginnt mit einer großen Blende von etwa f/1.2 bis f/2.8, ISO 1600 bis 6400 und einer Verschlusszeit von etwa 2 bis 20 Sekunden. Passt diese Einstellungen jedoch immer an das Schauspiel an.
Generell gilt: Bei einer schwächeren, sich langsamer bewegenden Aurora solltet ihr eine längere Belichtungszeit wählen. Bei hellerem, schnellerem Polarlicht verwendet ihr eine kürzere Verschlusszeit, um Form und Details der Szene zu bewahren. Vorbereitung ist das A und O – überprüft daher den Kp-Index, bevor ihr euch auf den Weg macht. Dieser misst die geomagnetische Aktivität und gibt euch einen Anhaltspunkt dafür, wie stark und ausgedehnt das Polarlicht wohl sein wird. Seid ihr dann in Position und bereit für die Aufnahme, solltet ihr in eurem Bildausschnitt ausreichend Platz lassen, damit sich das Licht bewegen kann.
Weitere Informationen zum Fotografieren von Polarlicht findet ihr in diesem Artikel sowie in diesem Leitfaden.
5. Lichtspuren
Lichtspuren sich bewegender Fahrzeuge sorgen in einer Nachtszene für Dynamik und Bewegung. Um sie einzufangen, beginnt ihr mit einer langen Belichtung von etwa 15 bis 30 Sekunden, einer Blende von etwa f/8 und einem niedrigen ISO-Wert. Passt eure Einstellungen danach an die Lichtverhältnisse und Verkehrsgeschwindigkeit an. Ein Stativ ist unverzichtbar. Bevor ihr mit dem Fotografieren loslegt, solltet ihr manuell auf einen festen Punkt in der Szene fokussieren.
Schafft mit Straßen, Kurven und Kreuzungen starke Führungslinien durch das Bild. Sucht euch dafür einen sicheren Standort mit freier Sicht auf den Verkehr. Erhöhte Punkte wie Brücken oder Dächer eignen sich hervorragend als Aussichtspunkt. Probiert auch verschiedene Belichtungszeiten aus. Kürzere Belichtungszeiten erzeugen hellere, schärfer abgegrenzte Streifen. Bei längeren Belichtungszeiten ziehen sich die Spuren weiter durch das Bild.
Unseren ausführlichen Leitfaden zur Fotografie von Lichtspuren findet ihr hier.
6. Gemälde aus Licht
Mit dieser Technik und diesen Einstellungen könnt ihr auch „mit Licht malen“. Nehmt ein Stativ und wählt euren Bildausschnitt. Stellt dann eine Verschlusszeit von 15 bis 30 Sekunden ein, eine Blende zwischen f/5.6 und f/11 und einen niedrigen ISO-Wert. Betätigt den Auslöser über die SnapBridge-App oder nutzt den Selbstauslöser, um Verwacklungen im Bild zu vermeiden. Stellt euch anschließend vor die Kamera und zeichnet in ihre Richtung mit einer Taschenlampe, einer LED oder einer farbigen Lichtquelle Muster in die Luft. Bleibt dabei in Bewegung und tragt dunkle Kleidung, damit ihr nicht auf dem fertigen Bild zu sehen seid.


7. Mondbeschienene Landschaften
Mondlicht kann selbst die vertrautesten Landschaften völlig verwandeln – doch es ist oft schwierig, einen hellen Mond mit einem deutlich dunkleren Vordergrund in Einklang zu bringen. Wenn der Mond die Szene beleuchtet, statt selbst im Bild zu erscheinen, beginnt ihr mit einem niedrigen bis mittleren ISO-Wert, einer Blende von etwa f/4 bis f/8 und einer Verschlusszeit von mehreren Sekunden. Passt eure Einstellungen dann an die Helligkeit des Mondlichts an. Wenn ihr den Mond mit ins Bild nehmen und sogar hervorheben möchtet, lässt ihn ein Teleobjektiv größer erscheinen. Mit einem Weitwinkelobjektiv hingegen bleibt er kleiner, während die Landschaft stärker betont wird.
Wollt ihr Details auf dem Mond festhalten, müsst ihr möglicherweise Belichtungsreihen erstellen. Oder ihr nehmt Mond und Vordergrund separat auf. Denn wenn die Belichtung auf die Landschaft abgestimmt ist, gehen Details im Mond verloren. Außerdem braucht ihr eine deutlich kürzere Verschlusszeit, damit der Mond scharf bleibt.
Ein klarer Himmel und ein heller Mond sorgen für reichlich natürliches Licht. Ein tief am Himmel stehender Mond wiederum wirft lange, eindrucksvolle Schatten und verleiht der Landschaft mehr Struktur.
Möchtet ihr noch mehr darüber wissen, wie ihr tolle Fotos vom Mond macht? Dann klickt hier.
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