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So fotografiert ihr prunkvolle Innenräume

Matt Richardson-Wood5 Minuten Lesezeit09 Juni 2026Innenaufnahmen
Nikon magazine - opulent interiors

Erfahrt, wie ihr luxuriöse Innenräume so eindrucksvoll fotografiert, wie sie in Wirklichkeit wirken

Von geschwungenen Treppen über funkelnde Kronleuchter und Flügel bis hin zu vergoldeten Spiegeln – prunkvolle Innenräume sind mit allerlei luxuriösen Details ausgestattet, die beeindrucken sollen. Doch um diesen Räumen gerecht zu werden, reicht es nicht, lediglich prächtige Details zu dokumentieren. „Was verleiht einem Innenraumfoto einen hochwertigen Charakter? Alles sollte etwas zurückhaltender wirken. Es sollte sich von den Bildern unterscheiden, die man im Internet findet, wenn man versucht, ein Hotelzimmer zu buchen“, erklärt Bildredakteur und Produzent Matt Richardson-Wood, der für Luxusmarkenmagazine von Kunden wie British Airways und Mandarin Oriental arbeitet. „Sie sollten ruhiger wirken und sich auf Elemente wie Spiegelungen und Details konzentrieren. Die sanften Bewegungen des Alltags zeigen. Und vielleicht auch eine gewisse menschliche Note. Sie sollten durchdacht sein, aber auch glaubwürdig – so als wäre man selbst zu Gast in der Unterkunft und würde diese Räume mit eigenen Augen sehen.“

Ob man es nun als Innenarchitekturfotografie oder als Hospitality-Lifestyle-Fotografie bezeichnet – dieses Genre schlägt gekonnt eine Brücke zwischen der bloßen Dokumentation eines Raumes und der Darstellung seiner einzigartigen Geschichte, seines Charakters und vor allem seiner Atmosphäre. Ausgehend von Bildern, die er für die Ausgabe 2026 des UNFOLD-Magazins von Mandarin Oriental geschaffen hat, verrät Matt im Folgenden, wie man prunkvolle Innenräume optimal in Szene setzt. Die Bilder zeigen das Mandarin Oriental Conservatorium, Amsterdam – ein traditionsreiches Luxushotel im Kulturviertel der Stadt.

Nikon magazine - Matt Richardson-Wood
Creative Director & Photographer

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Nikon magazine - opulent interiors
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Nutzt so viel Umgebungslicht wie möglich, damit der Raum weiterhin realistisch wirkt. Nikon Z 8 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S. Links: 24 mm, 1/80 s, f/2.8, ISO 2000. Rechts: 60 mm, 1/200 s, f/2.8, ISO 3200 © Matt Richardson-Wood
Nutzt das vorhandene Licht, um die Stimmung einzufangen

Luxushotels setzen in der Regel eher auf stimmungsvolle als auf grelle, direkte Beleuchtung. Nutzt daher das vorhandene Licht, um den Charakter des Raumes zur Geltung zu bringen, insbesondere wenn es auf edle Texturen und architektonische Details fällt. Selbst bei schwachen Lichtverhältnissen helfen eine sorgfältige Belichtung und das Fotografieren im RAW-Format dabei, die Atmosphäre des Ortes einzufangen. Im Restaurant „Taiko“ des Mandarin Oriental Conservatorium begann es bereits vor dem Abendessen zu dämmern, daher verlängerte ich die Belichtungszeit und hielt den ISO-Wert so niedrig wie möglich, wobei ich mich zur Stabilisierung der Kamera auf dem Tisch abstützte. Ich wollte die verschiedenen Umgebungslichtquellen sowie das natürliche Licht, das durch das Fenster auf der rechten Seite hereinfällt, einfangen und dem Bild eine subjektive Perspektive verleihen. Ich habe die Belichtung um +2,0 erhöht, die Schatten aufgehellt und die Farbtemperatur erhöht, um eine wärmere Atmosphäre zu erzielen.

Später wollte ich die hohen Decken und Wände in der Bar zur Geltung bringen. Da das Licht größtenteils seinen Ursprung hinter der Bar hatte, bot sich eine gute Gelegenheit, Silhouetten einzufangen. Dafür habe ich die Spitzlichter nur ganz leicht abgeschwächt. Meiner Meinung nach ist weniger Licht manchmal besser.

Top-Tipp: Erledigt so viel wie möglich bereits bei der Aufnahme und verfeinert das Ergebnis anschließend in der Bearbeitung – indem ihr die Farbtemperatur ausgleicht, überbelichtete Bereiche abdunkelt oder Details in den Schatten wiederherstellt, damit das fertige Bild natürlich statt retuschiert wirkt.

Wenn ihr bestimmte Details oder besondere Merkmale fotografiert, fangt gerade so viel Umgebung ein, dass ein Eindruck vom Ort entsteht. Nikon Z 8 + NIKKOR Z 70-180mm f/2.8. Links: 102 mm, 1/160 s, f/3.2, ISO 6400 Rechts: 89 mm, 1/1000 s, f/3.5, ISO 800 © Matt Richardson-Wood

Verleiht den Details einen Bezug zum Ort

Wenn man sich auf Details konzentriert, lohnt es sich, auch zu überlegen, was sie umgibt. Ein wenig Kontext kann dem Bild mehr Atmosphäre verleihen und eine stärkere Geschichte über den Raum erzählen. In der Hotellobby hängt eine Installation aus Violinen des Innenarchitekten Piero Lissoni wie ein Kronleuchter von der Decke: eine Anspielung auf die kulturellen Wurzeln des Stadtteils. Da es an dieser Stelle des Raums recht dunkel war, habe ich die ISO-Empfindlichkeit erhöht und eine kürzere Verschlusszeit gewählt, um dem leichten Luftzug Rechnung zu tragen, der die Violinen bewegte. Ich wollte die Highlights auf ihnen einfangen und gleichzeitig den Charakter des Ortes bewahren. Deshalb habe ich darauf geachtet, dass das Hotel-Logo sichtbar bleibt, und die Violinen durch eine große Blende bewusst unscharf erscheinen lassen – allerdings nicht so stark, dass sie nicht mehr zu erkennen wären.

Bei diesem Projekt wollte ich unbedingt eine Mischung aus Weitwinkel-, Mittel- und Detailaufnahmen erzielen. Als ich später die Mosaikfliesen am Eingang entdeckte, hatte ich sofort das Gefühl, dass sich diese für eine Detailaufnahme anboten. Da helles Licht von rechts hereinfiel und es bei den nahegelegenen Türen Bewegung gab, habe ich eine kürzere Verschlusszeit gewählt, damit alles scharf abgebildet wird. Die besten, detailreichen Bilder sollten mehr leisten, als nur schön auszusehen – sie sollten dazu beitragen, die Raffinesse und den Charakter des Interieurs zu vermitteln.

Top-Tipp: Achtet darauf, dass jedes Detail im Bild seinen Platz verdient: Wenn etwas weder zur Ästhetik noch zum Kontext oder zur Stimmung beiträgt, ist es meist besser, es zu entfernen oder den Bildausschnitt neu zu wählen.

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Bögen, Treppen, Zierleisten, geometrische Elemente, Spiegel, Fenster und sogar Türöffnungen lassen sich nutzen, um interessante Rahmen zu schaffen. Das trägt dazu bei, einen ansonsten gewöhnlichen Raum aufzuwerten. Nikon Z 8 + NIKKOR Z 70-180mm f/2.8, 115 mm, 1/500 s, f/3,5, ISO 800 © Matt Richardson-Wood
Nutzt Architektur als Rahmen, um den Blick zu lenken

Luxushotels zeichnen sich oft durch elegante Rundungen, klare Linien und architektonische Merkmale aus, die sich dazu eignen, ein Bild einzurahmen. Sie verleihen dem Bildausschnitt Kraft und lenken den Blick des Betrachters. Ein Wohnbereich allein sagt vielleicht nicht besonders viel aus. Aber wenn man ihn durch eine Türöffnung einrahmt oder Möbel und die Umgebung nutzt, um den Blick zu führen, verleiht dies dem Raum Tiefe, Kontext und ein stärkeres Gefühl für den Ort. Hier habe ich den Wohnbereich vom Badezimmer aus fotografiert, was mir eine interessantere Perspektive bot. Durch die Fenster auf der linken Seite fiel reichlich Tageslicht herein, also nutzte ich das und sorgte dafür, dass die Lampen eingeschaltet waren, um ein wenig Wärme und Atmosphäre zu schaffen. Ich wollte genügend Tiefenschärfe, um die Szene zusammenzuhalten, damit die verschiedenen Bildelemente harmonisch zusammenwirken.

Top-Tipp: Das NIKKOR Z 70-180mm f/2.8 war hier besonders nützlich, da ich damit Details in der Suite aus viel größerer Entfernung herausarbeiten konnte, ohne dabei die Intimität im Bild zu verlieren.

Ein Wechselspiel von Licht und Schatten kann die Dramatik, Tiefe und Atmosphäre prunkvoller Innenräume besonders zur Geltung bringen. Mitte: Nikon Z 6II + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 24 mm, 1/30 s, f/5, ISO 6400 Rechts: Z 8 + NIKKOR Z 17-28mm f/2.8, 28 mm, 1/160 s, f/2.8, ISO 2000 © Matt Richardson-Wood

Schafft Atmosphäre mit Licht und Schatten

Im Mandarin Oriental Conservatorium sind auf dem gesamten Gelände mehrere Vintage-Uhren verteilt, und ich wollte eine interessante Möglichkeit finden, sie in Szene zu setzen. Durch die Nutzung der Bögen des Treppenhauses gelang es mir nicht nur, diese Uhr in Szene zu setzen, sondern auch einen natürlichen Kontrast zwischen dunklen und hellen Bereichen zu schaffen. Dazu habe ich die Verschlusszeit verlängert, anstatt die ISO-Empfindlichkeit noch weiter zu erhöhen, und eine Belichtungskorrektur von +1,0 eingestellt. Das hat die Szene aufgehellt und mehr Details aus in den dunkleren Bereichen herausgeholt, während der natürliche Glanz des Raums erhalten blieb.

Später war ich fasziniert von dem Licht, das in einem der Treppenhäuser durch ein Buntglasfenster fiel. Da es in dem Raum kaum anderes Umgebungslicht gab, wollte ich damit den Kontrast zwischen Hell und Dunkel betonen – und gleichzeitig die geschwungene Form der Architektur zur Geltung bringen. Dazu habe ich die Blende geöffnet und die Belichtung um +1,7 erhöht, um die Schatten aufzuhellen. Das zeigt, dass es sich immer lohnt, mit dem vorhandenen Licht zu arbeiten. Denn dank einer ISO-Einstellung von 6400 habe ich mit der Z 8 keinen einzigen Moment verpasst.

Top-Tipp: Das Arbeiten im RAW-Format bietet weitaus mehr Flexibilität, da in den Schatten oft zahlreiche Details vorhanden sind, die in der Nachbearbeitung wiederhergestellt werden können. Denkt also daran, dass ein Raum, der auf den ersten Blick zu dunkel wirkt, dennoch echtes Potenzial haben kann.

Anstatt offensichtliche Motive einzufangen, sollte man nach ungewöhnlichen Perspektiven und Blickwinkeln suchen, um den Raum auf eine neue, kreativere Art und Weise zu zeigen. Links: Nikon Z 8 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 38 mm, 1/8 s, f/4, ISO 4000. Rechts: 51 mm, 1/1600 s, f/4, ISO 640 © Matt Richardson-Wood

Sucht nach neuen Perspektiven, um das Gewöhnliche zu vermeiden.

Es ist verlockend, einfach eine frontale Aufnahme auf Augenhöhe von der Tür aus zu machen. Das ist normalerweise das Erste, was jeder fotografiert. Macht das Bild, wenn ihr es braucht, aber sucht dann weiter nach etwas Unerwartetem. Als ich zum Beispiel durch das Hotel schlenderte, entdeckte ich ein dunkles Treppenhaus mit einer wunderschön verzierten schmiedeeisernen Treppe. Ich habe das vorhandene Licht genutzt und die Verschlusszeit verlängert. Wenn ich dieses Bild noch einmal aufnehmen würde, würde ich vielleicht sogar darauf warten, dass ein verschwommener Fuß ins Bild läuft.

Ein Zoomobjektiv bietet mehr Flexibilität bei der Bildgestaltung. Mit dem NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S konnte ich im und um das Hotel herum viele interessante Motive aus ungewöhnlichen Blickwinkeln einfangen – wie zum Beispiel den Schatten eines Fensterrahmens, der perfekt auf den unteren Rand einer handbemalten Fliesenwand fiel. Tatsächlich lieferte das Objektiv in praktisch jeder Situation eine gute Leistung. Außerdem reagiert es ausgesprochen schnell.

Top-Tipp: Nutzt den schwenkbaren Bildschirm eurer Kamera, um Aufnahmen aus hohen und niedrigen Blickwinkeln optimal zu gestalten.

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Nutzt natürliches und vorhandenes Licht, um die Szene authentischer wirken zu lassen. Nikon Z 8 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 49 mm, 1/160 s, f/2.8, ISO 640 © Matt Richardson-Wood
Matts fünf Top-Tipps für prunkvolle Innenräume:

  1. Schaut euch zunächst einmal um und versucht, Bereiche zu finden, die euch ansprechen. Wenn euch ein Bereich anspricht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich daraus ein interessantes Bild ergibt.
  2. Eine allgemeine Faustregel für Brennweiten lautet: Verwendet etwa 17 mm für eine Gesamtansicht des Raums, 50 mm für eine Ausschnittaufnahme und 100 mm für Detailaufnahmen. Damit habt ihr eine gute Variation.
  3. Einer der größten Fehler beim Fotografieren von Innenräumen ist der Versuch, alles in eine einzige Weitwinkelaufnahme zu pressen. Wenn man näher herangeht, wirkt das Bild oft viel durchdachter.
  4. Verhaltet euch so unauffällig wie möglich, denn es ist äußerst wichtig, dass ihr den Aufenthalt der Gäste nicht stört. Versucht daher, euch in den Hintergrund einzufügen – und seid so unauffällig, dass die Gäste gar nicht bemerken, dass ihr da seid.
  5. Fotografiert zu Beginn zum Üben Orte, die ihr kennt – wie zum Beispiel die Wohnungen von Freunden, Kneipen und Restaurants in der Umgebung oder eine Kirche. So baut ihr ein kleines Portfolio auf und lernt gleichzeitig, wie man wichtige Details findet und mit dem vorhandenen Licht arbeitet.

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