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Porträts unter Druck

Hannah Peters 8 Minuten Lesezeit22 Mai 2026Porträts
Nikon magazine - Hannah Peters: Portraits under pressure

Die Getty-Sportfotografin Hannah Peters spricht über einige ihrer emotionalsten Bilder und erklärt, wie selbst unter hohem Druck ausdrucksstarke Porträts gelingen

„Das Adrenalin setzt ein, und ich nutze diesen Druck positiv, indem ich mich ganz auf all die Entscheidungen konzentriere, die ich in kurzer Zeit treffen muss“, sagt Hannah Peters. Nachdem sie in der Schule erstmals ihre Leidenschaft für die Fotografie entdeckt hatte, schlug die Fotografin eine Karriere im Bereich Sportfotografie ein, angefangen bei der Bildredaktion einer Agentur über freiberufliche Tätigkeiten am Wochenende bis hin zu ihrem Einstieg bei Getty Images im Jahr 2010. „Sport bringt Emotionen in Sekundenbruchteilen hervor, und genau diese Emotionen in einem Porträt festzuhalten, ist etwas Unglaubliches“, fährt sie fort. „Ein einziges Bild kann die rohen Emotionen eines Moments sichtbar machen.“

Heute ist Hannah Peters auf Sportarten wie Rugby, Leichtathletik und Tennis spezialisiert. Neben ihrer breiteren Sportberichterstattung ist die Neuseeländerin vor allem für ihre dramatischen, emotionsgeladenen Porträts bekannt, die sie in Situationen unter hohem Druck einfängt. „Ob Jubel, Enttäuschung oder Frustration – spontane Sportporträts fangen Sportler:innen auf dem Höhepunkt ihrer Emotionen ein“, sagt sie. „Sie zeigen auch die menschlichere Seite des Sports und die Persönlichkeit der Athlet:innen, was in spontanen Momentaufnahmen besonders wirkungsvoll sein kann.“

Hier blickt Hannah auf einige ihrer liebsten spontanen Porträts zurück und gibt Einblicke in die Emotionen, den Instinkt und die Technik, die hinter diesen Bildern stecken …

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Noah Lyles vom Team USA reagiert nach der Qualifikation für das Finale über 100 m der Männer im Halbfinale am zweiten Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften Tokio 2025. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 135mm f/1.8 S Plena, 1/2000 s, f/2.0, ISO 1000 ©Hannah Peters/Getty Images

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Sportler:innen und ihre Reaktionen kennen

Ein gutes Porträt sollte Emotionen zeigen – gute oder schlechte – und den Betrachter in das Bild hineinziehen, sodass er mehr erfahren möchte. Noah Lyles ist ein großartiger Athlet, wenn es darum geht, unterschiedliche Emotionen und Reaktionen am Ende seiner Rennen einzufangen. Ich stand am Ende der 100-Meter-Bahn im Fotograben. Lyles hatte sein Rennen bereits beendet, und ich blieb bewusst bei ihm, als er vorbeiging, in der Hoffnung, dass er noch etwas Unerwartetes machen würde. Zum Glück drehte er sich für einen kurzen Moment um und streckte die Zunge heraus. Es war nur ein winziger Augenblick. Dank der offenen Blende von f/1.8 konnte die Kamera schnell fokussieren und seine Augen exakt in diesem Moment erfassen. Eine Blende von f/1.8 ermöglicht diese geringe Tiefenschärfe besonders dann, wenn das Motiv so nah kommt. Genau hier zeigen sich die Stärken von Festbrennweitenobjektiven, um einen bestimmten Look zu erzielen.

Top-Tipp: Lasst das Motiv ruhig Bewegung ins Bild bringen und den Bildausschnitt füllen. Wichtig ist, kontinuierlich dranzubleiben und das Geschehen zu verfolgen, denn man weiß nie, welche Reaktion ein ganz neues Bild entstehen lässt.

Eben Etzebeth und Jesse Kriel aus Südafrika feiern nach dem Schlusspfiff den Sieg im Finale der Rugby-Weltmeisterschaft 2023 zwischen Neuseeland und Südafrika. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 400mm f⁄2.8 TC VR S, 1/2000 s, f/2.8, ISO 2000 © Hannah Peters/Getty Images

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Entscheidung in Sekundenbruchteilen

Die Momente kurz vor dem Schlusspfiff sind im Rugby extrem unvorhersehbar. Damit ein starkes Bild entsteht, muss vieles zusammenpassen – und dieses Spiel blieb bis zur letzten Sekunde spannend. Mein Herz schlug heftig und der Druck war enorm. Die Entscheidung, wer wohl gewinnen wird, auf wen ich mich konzentrieren soll und wo ich mich am besten positioniere, um einen möglichst sauberen Hintergrund zu haben und hoffentlich zwei Spieler einzufangen, die ihre Emotionen unverfälscht zeigen – das ist eine Menge Druck. Ich habe mich dafür entschieden, beim 400-mm-Objektiv zu bleiben und den Bildausschnitt eher eng als weit zu wählen, damit der Hintergrund weich verschwimmt und das Bild ganz von Emotionen getragen wird. Alles kann sich innerhalb eines Augenblicks ändern. Deshalb muss man schnell reagieren, das Motiv wechseln und sofort neu fokussieren können. Es ist ein tolles Gefühl, wenn am Ende alles zusammenpasst!

Top-Tipp: Lichtstarke Objektive und schnelle Kameras, die unmittelbar auf das reagieren, was man im Sucher sieht, sind in solchen Hochdrucksituationen entscheidend. Stellt die Einstellungen und Funktionen eurer Kamera bereits im Voraus ein. Um im Sport Situationen vorherzusehen, braucht es viel Übung, Recherche und Erfahrung.

Aryna Sabalenka jubelt nach einem Punkt gegen Paula Badosa aus Spanien im Halbfinale des Damen-Einzels am 12. Tag der Australian Open 2025 im Melbourne Park, Australien. Nikon Z 9 + AF-S NIKKOR 120-300mm f/2.8E FL ED SR VR + Bajonettadapter FTZ II, 270 mm, 1/2000 s, f/2.8, ISO 2000 ©Hannah Peters/Getty Images

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Auf die Zwischenmomente achten

Sabalenka zeigt während ihrer Spiele immer starke Emotionen und kann jederzeit reagieren. Deshalb muss man bei einer Spielerin wie ihr nicht nur beim Matchball bereit sein. Im Tennis gelingt es oft nicht, bei einer Spielerreaktion oder den stärksten Emotionen im Spiel einen sauberen Hintergrund zu bekommen. Wenn dieser Moment dann in einem ruhigen Bildausschnitt mit gutem Licht entsteht, ist das umso befriedigender. Durch die Möglichkeit, mit dem 120-300 mm schnell einzuzoomen, hatte ich mehr Freiheit, verschiedene Blickwinkel auszuprobieren, sodass ich den Bildausschnitt besser füllen und stärkere Bilder aufnehmen konnte, als Sabalenka reagierte.

Top-Tipp: Im Tennis kann man die Position nicht ständig wechseln. Deshalb ist es entscheidend, seine Position basierend auf Hintergrund, Licht und den Bereichen, in denen die meisten Reaktionen zu erwarten sind, bewusst zu wählen. So hat man die besten Chancen, eine klare und ausdrucksstarke Reaktion einzufangen.

Ardie Savea aus Neuseeland jubelt, nachdem er im Viertelfinalspiel der Rugby-Weltmeisterschaft 2023 gegen Irland den zweiten Versuch für seine Mannschaft erzielt hat. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 70-200mm f/2.8 VR S, 70 mm, 1/1700 s, f/2.8, ISO 1600 ©Hannah Peters/Getty Images

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Den Moment bis ins kleinste Detail einfangen

Wenn ich die Verschlusszeit auf weniger als 1⁄1600 s einstelle, wird alles eingefroren, sogar Speichel und Schweiß des Spielers. Genau solche Details machen den Moment zu etwas Besonderem. Eine Blende von f/2.8 hilft außerdem dabei, das Motiv vom Hintergrund abzuheben und den Fokus gezielt auf das Wesentliche zu lenken. Während eines Rugbyspiels die richtige Position zu finden, ist schwierig, weil das Spiel so unvorhersehbar ist. Wenn dann in eurer Spielfeldhälfte und eurer Ecke etwas passiert, ist es etwas ganz Besonderes, wenn einfach alles zusammenpasst.

Top-Tipp: Zoomt noch stärker ein, auch wenn die Spieler mit hoher Geschwindigkeit auf euch zukommen. Wenn das Motiv den Bildausschnitt komplett ausfüllt, entstehen oft besonders dynamische Aufnahmen – so wie in diesem Moment.

Armand Duplantis vom Team Schweden feiert einen neuen Weltrekord, nachdem er im Stabhochsprungfinale der Männer am dritten Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2025 in Tokio die Höhe von 6,30 m übersprungen hat. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 70-200mm f/2.8 VR S, 200 mm, 1/2000 s, f/2.8, ISO 1600 ©Hannah Peters/Getty Images

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Anders arbeiten, als die anderen

Die Atmosphäre im Stadion während des Weltrekordsprungs von Armand Duplantis war eines der beeindruckendsten Erlebnisse überhaupt. Die emotionalsten Momente folgten jedoch erst danach. Er lief umher und reagierte auf alles um ihn herum. Ich erinnere mich an die riesige Menge an Fotograf:innen und das Gedränge, das sich um ihn bildete, als er auf die Menge zuging. Ich entschied mich, zurückzubleiben und mit langer Brennweite zu fotografieren, in der Hoffnung, das Chaos um ihn herum einzufangen. Um diesen Moment festzuhalten, hing ich praktisch über der Absperrung, unter mir der Fotograben. Ich nutzte das neigbare Kameradisplay, um den Bildausschnitt so zu kontrollieren, dass störende Elemente im Hintergrund verschwanden.

Top-Tipp: Man sollte in entscheidenden Momenten verschiedene Positionen ausprobieren. Manchmal lohnt es sich, bewusst Abstand zu halten und etwas anderes zu zeigen als das, was alle anderen fotografieren.

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Links/unten: Die Silbermedaillengewinnerin Thea Lafond aus Dominica feiert mit der Nationalflagge von Dominica nach dem Finale im Dreisprung der Frauen am sechsten Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften Tokio 2025. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 135mm f/1.8 S Plena, 1/4000 s, f/2, ISO 1000 ©Hannah Peters/Getty Images. Rechts/oben: Der Goldmedaillengewinner Gianmarco Tamberi aus Italien feiert gemeinsam mit seiner Mutter Sabrina Piastrellini nach dem Sieg im Hochsprungfinale der Männer am vierten Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften Budapest 2023. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 46 mm, 1/1250 s, f/2.8, ISO 1600 ©Hannah Peters/Getty Images
Emotionen nach dem Adrenalinkick

Die unverfälschten, rohen Emotionen zeigen sich meist erst, wenn das Adrenalin langsam nachlässt – genau so war es hier bei Thea Lafond nach dem Rennen. Sie entdeckte in der Menge eine Fahne und hüllte sich darin ein. Mir hat es einfach gefallen, wie ihre Medaille vor der Flagge um ihren Hals schwang – das brachte das Ergebnis und ihre Gefühle in einem einzigen Bild zusammen. Die Blende f/1.8 lässt den Hintergrund weich verschwimmen und erzeugt zusammen mit der Stadionbeleuchtung ein leichtes Bokeh. Dadurch wird der Blick des Betrachters schneller auf das Motiv gelenkt und die Wirkung des Bildes verstärkt. Der Vorteil eines Teleobjektivs besteht darin, Reaktionen stärker hervorzuheben: Ablenkungen rund um das Motiv verschwinden, der Hintergrund bleibt ruhig und nichts nimmt dem eigentlichen Moment die Aufmerksamkeit.

Top-Tipp: Mit einer Blende von f/2.8 oder offener lässt sich der Look von Sport- und Porträtaufnahmen erheblich verändern, besonders in belebten Sportstätten.

Nach den emotionalen Momenten suchen

Als Gianmarco Tamberi nach dem Gewinn der Goldmedaille seine Mutter in der Menge entdeckte, wusste ich, dass ich dranbleiben musste, da vielleicht etwas Besonderes passieren würde. Im Stadion herrschte das pure Chaos, als ich versuchte, diesen Moment festzuhalten. Und dann entstand mitten im ganzen Trubel plötzlich diese Szene voller Freude, Stolz, Liebe und Ruhe. Dass mein 24-70-mm-Objektiv jederzeit einsatzbereit war und ich mich schnell in die richtige Position bringen konnte, machte dieses Bild überhaupt erst möglich. Am Ende geht es immer um Vorbereitung und Reaktionsvermögen.

Top-Tipp: Sucht gezielt nach besonderen Interaktionen zwischen zwei Personen – trotz all dessen, was gleichzeitig um einen herum passiert. In solchen Momenten entstehen häufig eindrucksvolle, unvergessliche Bilder.

Die Silbermedaillengewinnerin Amy Hunt vom Team Großbritannien posiert nach ihrem Lauf im 200-Meter-Finale der Frauen am siebten Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2025 in Tokio mit ihrer Medaille für ein Foto. Nikon Z 9 + AF-S NIKKOR 120-300mm f/2.8E FL ED SR VR + Bajonettadapter FTZ II, 270 mm, 1/1900 s, f/2.8, ISO 1600 ©Hannah Peters/Getty Images

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Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Ich liebe den Ausdruck von Amy nach dem Gewinn der Silbermedaille. Das kam völlig unerwartet und war so typisch für sie. Viele Sportfotograf:innen konzentrieren sich nur auf Goldmedaillengewinner:innen und verpassen dadurch entscheidende Momente. Dieser Moment mit Amy zeigt, wie sehr sie sich wirklich freut. Der Einsatz des 120-300-mm-Objektivs ermöglichte es mir, ihre Reaktion in der richtigen Bilddistanz einzufangen. Ein Weitwinkelobjektiv hätte den Bildausschnitt zu weit gefasst, wodurch die Wirkung verloren gegangen wäre.

Top-Tipp: Erweitert euren Blick bewusst über das Hauptgeschehen eines Rennens, Matches oder Sieges hinaus. Manchmal spielen sich die besten Momente abseits des Rampenlichts ab.

Gout Gout aus Australien posiert für ein Foto, nachdem er sich am sechsten Tag der Leichtathletik-Weltmeisterschaften Tokio 2025 im Halbfinale der Männer über 200 Meter nicht für das Finale qualifizieren konnte. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S, 42 mm, 1/2000 s, f/2.8, ISO 1600 ©Hannah Peters/Getty Images

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Schnell wechseln oder direkt zum Zoom greifen

Bei solchen Aufnahmen ist es wichtig, vorherzusehen, wohin sich ein Athlet als Nächstes bewegt. Oft müsst ihr im letzten Moment noch das Objektiv wechseln, um auf alles vorbereitet zu sein. Vor lauter Begeisterung rannte Gout Gout direkt auf uns zu und landete beinahe mitten zwischen uns im Fotograben; dank meines Weitwinkelobjektivs konnte ich diesen Moment festhalten. Gerade bei Athleten wie Gout Gout ist es wichtig, jederzeit auf alles vorbereitet zu sein. Er spielt gern mit den Kameras und zeigt vor und nach dem Rennen viele unterschiedliche Gesichtsausdrücke und jede Menge Energie.

Top-Tipp: Wenn ich entscheide, welche Bilder ich direkt aus der Kamera an die Redaktion sende, suche ich nach Aufnahmen, die einen Moment perfekt auf den Punkt bringen – durch Schlichtheit, Licht, Ausdruck oder eine besondere Reaktion des Motivs.

Daniel Hillier aus Neuseeland jubelt nach seinem Gewinn der New Zealand Open im Millbrook Resort in Queenstown. Nikon Z 9 + NIKKOR Z 24-70mm f/2.8 S II, 24 mm, 1/4000 s, f/2.8, ISO 1250 ©Hannah Peters/Getty Images

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Das Unerwartete erwarten

Es war etwas ganz Besonderes, den ersten neuseeländischen Sieger der New Zealand Open seit 2017 zu dokumentieren und dabei zu sein, als Daniels Freunde spontan auf das Grün kamen, um mit ihm zu feiern. Das Fotografieren und Fokussieren kann recht schwierig werden, wenn der Champagner über einen hinweg und in die Augen spritzt! Dann müsst ihr das Geschehen im Auge behalten, schnell reagieren und den Fokus sicher auf dem Motiv halten.

Top-Tipp: In solchen Momenten ist Vorbereitung entscheidend. Haltet das passende Weitwinkelobjektiv bereit, um auch unerwartete Momente festzuhalten.

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